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Das Kriegerdenkmal

Bei der Enthüllung des Kriegerdenkmals am Sonntag, 1. August 1920. (Bild: Karl Wahl)
Bei der Enthüllung des Kriegerdenkmals am Sonntag, 1. August 1920. (Bild: Karl Wahl)

Aus der Geschichte Haunstettens

Das Kriegerdenkmal

Schon bald nach Beginn des ersten Weltkriegs, 1915, wurde die Errichtung eines Kriegerdenkmals im Gemeinderat von Haunstetten angeregt, besprochen und beraten. Es wurden damals außer dem endgültigen Platz bei der St. Georgs-Kirche noch folgende Standorte überlegt oder vorgeschlagen:

  • Die „dreieckige Rasenfläche gegenüber der Bäckerei Rager“ (die kleine Verkehrsinsel am Beginn der Krankenhausstraße. Darauf stand ehemals immer der Maibaum).
  • der Garten des Bremschen Anwesens (Bremhof, zwischen der Krankenhausstraße und dem Wohnhaus),
  • die Anlage vor dem neuen Schulhaus (heutige Eichendorffschule),
  • der Platz vor dem Anwesen des Schmiedmeisters Zerle (die „Alte Schmiede“, dort steht heute der Maibaum),
  • der Kapellenplatz (bei der Muttergotteskapelle, wo die Hofackerstraße beginnt und die Poststraße aus der Ost-West-Richtung in die Nord- Süd-Richtung schwenkt und wo später die Gemeindewaage, das „Woghäisle“ stand),
  • der neue Friedhof (heute der nördliche Teil des alten Friedhofs).

„Auch die zentrale Lage des Platzes spricht sehr für die Wahl desselben. In allen Gemeinden, in denen bei der Errichtung von Kriegerdenkmälern fachmännische Berater einen Einfluß hatten, wurde die Aufstellung in der Nähe der Kirche, der Schu­le oder des Rathauses ins Auge gefaßt. Dies trifft nun in unserem Orte alles zusammen und zweifellos ist dies doch auch der Platz, der am häufigsten von der ganzen Einwohnerschaft begangen wird. Außerdem wäre das Denkmal an keinem anderen Platz des Ortes so gut von allen Seiten sichtbar und es paßt nicht nur sehr gut in diesen Rah­men, sondern trägt noch zur Verschönerung des Platzes, der doch der Hauptplatz des Ortes ist, nicht unwesentlich bei. […] Der Entwurf fand die Zustimmung des Gemeinderats und die Ausführung wurde Herrn Bildhauer Brenner in Göggingen, der das niederste Angebot machte, übertragen. Das Denkmal ist in Muschelkalk ausgeführt mit Ausnahme des Bodens, der Steinbank und der Plastiken in der Mauer, für welche der Billigkeit halber Kunststein gewählt wurde. […] Die Jahreszahlen sind auf runden Tafeln weiter oben angebracht. Die Widmungsschrift und die Jahreszahlen sind in Gold, die Namen in dunkel-rotbrauner Farbe gemalt. Mit Rücksicht auf den Kostenpunkt mußte man von der Ausführung der Namen in Goldschrift Abstand nehmen. […]. Die Mauer soll vollständig mit Efeu, wildem Wein und Heckenrosen überwachsen werden. Hinter der Mauer werden Bäume verschiedener Art gepflanzt. Die Anlage wird zweifellos dem Ganzen einen sinnigen Schmuck verleihen, sodaß, das darf mit Sicherheit behauptet werden, unser Kriegerdenkmal mit zu den schönsten des ganzen Landes gehört. […]. Ein Kriegerdenkmal hat den Zweck, die Mit- und Nachwelt immer an die Gefallenen zu erinnern und deshalb ist es notwendig, daß man dasselbe auch so erbaut, daß es nicht erst gesucht werden muß, sondern daß die Menschen, auch wenn sie nur ihren täglichen Weg gehen, förmlich daran hinstoßen.“

In der Gemeinderatssitzung vom 19. Januar 1920 wurde der Kostenvoranschlag für das Kriegerdenkmal zur Kenntnis genommen. „Die Mittel sollen durch Sammlungen aufgebracht werden“. Die Kommission für die Vorarbeiten bestand aus Bürgermeister Xaver Widmeier und den Gemeinderäten Lindel, Sigmund und Eberle. „Das nach den Plänen von Architekt L. Grothe hergestellte Modell wird im Laden von Hüber ausgestellt“ (Papier- und Schreibwaren, Süd-Ost-Ecke Bürgermeister- Widmeier- und Schopenhauerstraße).
Seit Mittwoch, 28. Januar 1920 war das Modell des Kriegerdenkmals bei Hüber ausgestellt. „Bei eintretender Dunkelheit erstrahlt das Schaufenster in magischem roten Licht […].“

Die Gemeinde Haunstetten veröffentlichte in der Haunstetter Zeitung am 6. März 1920 die Namen der „auf dem Felde der Ehre verbliebenen Angehörigen hiesiger Gemeinde, deren Namen auf dem zu errichtenden Kriegerdenkmal zu stehen kommen werden.“
Veröffentlichung vom 17. April 1920: „Die Kosten hiefür belaufen sich auf mindestens Mk. 30000.“ (Mark). Hierzu soll von Haus zu Haus gesammelt werden. „Es ist keiner unter den hiesigen Einwohnern, der nicht mindestens einen von den 119 Gefallenen gekannt hat. […]. Wie ein gewaltiger Schlußstein soll das Kriegerdenkmal hinter all den vielen während des Krieges gebrachten Opfern stehen, und der Mit- und Nachwelt zeigen, wie Haunstetten seine Helden ehrt. Haunstetten, den 17. April 1920. Der Gemeinderat: Xaver Widmeier, 1. Bürgermeister. Ludwig Hebeisen, 2. Bürgermeister. Bayer Franz, Eberle Martin, Eisinger Anselm, Fischer Adolf, Kröner Georg, Kühn Eduard, Lindel Matthäus, Löcherer Klemens, Mayershofer Matthäus, Schmid Josef, Settele Kaspar, Sigmund Josef, Waigel Matthias, Wiedemann Josef.“

Die Sammlung für das Kriegerdenkmal am Sonntag, 18. April 1920, erbrachte 6.550,20 Mark. Im Ort waren Glückshäfen errichtet, bei denen Blumen verlost wurden. Deren Standorte waren: Gegenüber dem alten Pfarrhof von St. Georg, vor dem Gasthaus „Hirsch“ am Georg-Käß-Platz, an der Straßengabel vor der Metzgerei Ehrenreich (später die ehemalige Metzgerei Leitenmeyr in der Gabel zwischen der Bgm.-Widm.-Str. und der Marconistraße). „[…] und erregten durch ihre Farbenpracht allseitige Bewunderung. Nach dem vormittäglichen Gottesdienst spielte die Kapelle »Lohengrin« aus Augsburg auf dem Platz vor dem Schulhaus [Eichendorffschule] ein Konzert. Zusammen mit den Tambouren der hiesigen Vereine zog die Musikkapelle durch den Ort, wo das Konzert vor dem Laden des Konsumvereins [Kolonie] fortgesetzt wurde. Die Mitglieder der freiwilligen Sanitätskolonne und hiesige Mädchen sammelten von Haus zu Haus. 120 Haunstetter mußten ihr Leben im 1. Weltkrieg lassen“.

Im Mai 1920 begann Baumeister Ludwig Hebeisen mit den Arbeiten für das Kriegerdenkmal.

Vor der Enthüllung des Denkmals gab die Gemeinde am 28. Juli 1920 bekannt: „Den Angehörigen der Gefallenen stellen wir für die Enthüllungsfeier die Säle des neuen Schulhauses zur Verfügung, von deren Fenstern aus sie dem Festakt bequemer beiwohnen können“.
Das Kriegerdenkmal bei St. Georg wurde am Sonntag, 1. August 1920, enthüllt. „Nach den Gottesdiensten in der katholischen und in der protestantischen Kirche marschierten die Lokalvereine unter den schneidigen Klängen der vollständigen Kapelle des Leichten Artillerieregiments 21 unter Obermusikmeister Otto Schmid zum Kriegerdenkmal auf, wo sich trotz des schlech­ten Wetters zahlreiche Teilnehmer eingefunden hatten. Mit einem Trauermarsch wurde die Feier eingeleitet; dann folgte die Enthüllung und Uebergabe des Denkmals durch den 2. Bürgermeister, Herrn Baumeister L. Hebeisen, der in kernigen und patriotischen Worten die Verdienste der Kriegsteilnehmer schilderte und das Andenken der gefallenen Helden ehrte. Mit tief-ergreifenden Worten verstand es ebenso der 1. Bürgermeister, Herr X. Widmeier die Herzen aller Teilnehmer der imposanten Feier würdig zu stimmen. Den übrigen Teil des Programms füllten Männerchöre [Lieder] der Sängergesellschaft Einigkeit, Musikstücke, sowie ein Massenchor und ein von dem Schüler Andreas Heinrich schön vorgetragener Festprolog. Möge das dem Andenken der gefallenen Helden geweihte Monument als Zeichen ewigen Dankes unserer Gemeinde stets in Ehren gehalten werden.“

An der Erstellung waren folgende Firmen beteiligt:
Architekt: Ludwig Grothe, München. Steinmetzarbeiten: Steinmetzgeschäft Mathias Brenner, Gög­gingen. Erd-, Maurer- und Betonarbeiten: Baugeschäft Ludwig Hebeisen, Haunstetten. Bildhauerarbeiten: Emil Bogner, München.

Nach Schluss des Festaktes war Beginn des Losverkaufs an den „Glückshäfen“ und Beginn des Verkaufs von Ansichtskarten des Kriegerdenkmals. Ein Los kostete 25 Pfennige und eine Ansichtskarte eine Mark. Der Reinertrag wurde für das Kriegerdenkmal verwendet.

Die Haunstetter wurden ersucht, die Häuser zu beflaggen, und zwar soweit möglich, mit Trauerflor.

Die Gemeinde Haunstetten bat darum, an diesem Tag nochmals eine offene Hand zu zeigen, um die noch fehlenden Geldmittel aufzubringen. Eine weitere Haussammlung fand nicht mehr statt. Haunstetter Mädchen boten bei allen Wohnungen Ansichtskarten des Kriegerdenkmals an.

Am 15. Dezember 1920 waren dann folgende Kosten festgestellt, und zwar 33.886,35 Mark an Ausgaben und Einnahmen bis dahin von 31.837,48 Mark.

Der Veteranen- und Kriegerverein Haunstetten veranstaltete am Sonntag, 12. Juni 1921, nachmittags um 4 Uhr im Gasthof zum Hirsch ein Wohltätigkeitskonzert. „Der Reinertrag wird der Gemeinde zur Instandhaltung und Anpflanzung des Kriegerdenkmals überwiesen.“ Der Gemeinde wurden 516,50 Mark überwiesen.

Aus der Haunstetter Zeitung vom 14. November 1925: „Das Kriegerdenkmal hatte einen sehr sinnigen Schmuck angelegt. Ein Grab, wie sie zu Tausenden im Feindesland errichtet wurden, war zu seinen Füßen von kunstgerechter Gärtnerhand geschaffen und mit einem schlichten Birkenkreuz wirkungsvoll ausgestattet.“

Was in heutiger Zeit die Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag sind, waren viele Jahre lang die Kriegergedächtnisfeiern. Ehemals kamen bei einem Krieg, wenn er nicht unmittelbar den Ort betraf, im Gegensatz zu heute keine Zivilisten ums Leben. Deshalb war es ehemals keine Volkstrauer-, sondern eine Kriegergedächtnisfeier.

Am Samstag, 6. November 1926, um 20:15 Uhr, wurde wieder eine Kriegergedächtnisfeier am Kriegerdenkmal veranstaltet. „Der weite Platz war in ein Meer von Licht getaucht. Was war mit dem Denkmal geschehen? In strahlendem Glanze hoben sich seine Linien vom nächtlichen Hintergrund ab. Zu beiden Seiten des Denkmals waren Flammenbecken aufgestellt, aus denen die Flammen zum Himmel züngelten.“

Aus der Haunstetter Zeitung vom 17. November 1928: „ […] die Namen von 124 Heldensöhnen unseres Ortes […]“.

Kriegergedächtnisfeier am Sonntag, 9. November 1930: „Das Kriegerdenkmal selbst war wunderschön mit Blumen und Blattpflanzen dekoriert und vor demselben ein Grabhügel mit einem einfachen Birkenkreuz errichtet.“

Kriegergedächtnisfeier am 13. November 1932: „Trauerakt am Kriegerdenkmal: […] 3. Ich hatt‘ einen Kameraden“, vorgetragen vom Schülermundharmonika-Orchester (Leitung Herr Lehrer Röttinger)“.

75. Gründungs-Jubiläum der Einigkeit am Samstag, 1. Juli 1933: Zapfenstreich mit Fackelzug und Festabend. Sonntag, 2. Juli 1933: Fünf Uhr Weckruf, 8 Uhr Festgottesdienst in beiden Kirchen, danach Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal.
Samstag, 2. Juni 1934, 14 Uhr: „Schultreffen“ der hiesigen Schule auf dem Turnplatz des TV. Umzug durchs Dorf mit Gefallenenehrung am Kriegerdenkmal. Auf dem Turnplatz Freiübungen der Knaben und Mädchen, Wettkämpfe und volkstümliche Spiele. (Die NAZI-Ära ist angebrochen).

Aus der Haunstetter Zeitung vom 18. Januar 1935: „Die im neuen Baugebiet von der Schafweidstraße zur Hötzelstraße führende Verbindungsstraße wird zum dauernden Gedenken an den deutschen Sieg an der Saar „Saarlandstraße‘“ benannt.“ Der 13. Ja­nuar 1935 war der Tag der Abstimmung im Saargebiet. „Mit einer wür­digen Feier fand der bedeutungsvolle Tag seinen Abschluß. […] Von der Kolonie bewegte sich um ¾8 Uhr ein riesiger Fackelzug mit Musik und Trommlerkorps (NSBO-Musik und Trommler der Firma Martini und Trommler der Fabrikfeuerwehr der HSW) durch die Hauptstraße des Orts zum Kriegerdenkmal. Jungvolk und BDM, HJ, SA, die Orts­gruppe der NSDAP mit ihren Gliederungen und die Belegschaften der Betriebe hatten sich angeschlossen.“

(NSBO = Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation; HSW = Haunstetter Spinnerei und Weberei; Jungvolk = Jugendorganisation der Hitler-Jugend für Jungen von zehn bis 14 Jahren; BDM = Bund Deutscher Mädel, im Nationalsozialismus der weibliche Zweig der Hitler-Jugend; HJ = Hitlerjugend, die Nachwuchsorganisation der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei). Ab 1933 war dies der staatliche und einzige Jugendverband. Andere Jugendverbände waren nicht mehr zugelassen. SA = Sturmabteilung, die militärähnliche Kampforganisation der NAZI. Sie spielte als Ordnertruppe eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der NAZI, indem sie deren Versammlungen vor Gruppen politischer Gegner mit Gewalt abschirmte und gegnerische Veranstaltungen massiv störte und behinderte.

Heldengedenktag am 8. März 1936. Gottesdienst in der protestantischen Pfarrkirche; Zug zu St. Georg, Gottesdienst; Gedächtnisakt am Kriegerdenkmal.

Heldengedenktag am 21. Februar 1937 am Heldenmale. Um 11 Uhr Choral (Werkkapelle Martini); Den Hel­den des Weltkrieges: a) Der Toten Heimkehr, b) unsterbliches Soldatentum; Chorlied (Sängergesellschaft Einigkeit); Ich hatt‘ einen Kameraden (Werkkapelle); Horst Wessellied. Teilnehmer: Alle Glie­derungen der NSDAP; SA, die örtlichen Vereine mit Fahnen, diese mit Trauerflor versehen; Uniformen tragen über dem Hakenkreuz Trauerband. HJ, BdM und Jungvolk „haben am Sonntag […] in sauberer Uniform am HJ-Heim anzutreten. Kameradinnen und Kameraden ohne Uni­form müssen ebenfalls antre­ten.“ Sämtliche Mitglieder der NS-Kriegsopfer­versorgung, „Männer mir NSKOV-Mütze, Hakenkreuzarmbinde und schwar­zem Binder, Frauen mit Ehrenkreuz.“ Lorbeerkranz mit Hakenkreuzschleife am Kriegerdenkmal.

Das Horst-Wessel-Lied ist ein politisches Lied, das anfänglich ein Kampflied der SA war und später die Parteihymne der NSDAP wurde.

Der Ortsverband Haunstetten des VdK feierte am Samstag, 25. Mai und Sonntag, 26. Mai 1957, sein zehnjähriges Bestehen. „Er feiert damit ein Jubiläum der Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe.“ Samstag, 25. Mai 1957: Großer Tanzabend in der TSV-Turnhalle, Tanzkapelle Casa-blanca. Sonntag, 26. Mai 1957: 9 Uhr Gedenkgottesdienst in der Christuskirche, 10 Uhr Gedenkgottesdienst in St. Georg, 11 Uhr Kranznie-derlegung am Kriegerdenkmal am Georg-Käß-Platz, anschließend Platzkonzert der Musikkapelle der 11. US-LL-Division, im Hof der Eichendorffschule.

Der Finanzausschuß der damaligen Stadt Haunstetten regte in seiner Sitzung vom 13. Februar 1962 einen Ideenwettbewerb für ein Kriegerdenkmal beim Friedhof an.

Dabei ging es aber nicht um ein „Krieger“-Denkmal, sondern um ein Denkmal für die Opfer der Bombardierungen im zweiten Weltkrieg. Die andere Bedeutung wurde damals schlecht ausgedrückt oder schlecht veröffentlicht.
Die Stadt Haunstetten ließ danach auch eine große Gedenkstätte anlegen in der nördlichen Hälfte des Alten Friedhofs und dort an der Ostwand entlang.

Die Vereine Haunstettens weigerten sich jedoch, ihre Gedenkfeier zum Volkstrauertag vor dieser „rostigen Tafel“ zu veranstalten. Eine Feier außerhalb des Friedhofs beim dort stehenden Kriegerdenkmal wurde wegen der Störung des Straßenverkehrs nicht gestattet, weshalb die Feier seit der Einweihung der zentralen Gedenkstätte im Neuen Friedhof dort veranstaltet wird. Die rostige Tafel soll 220.000 DM gekostet haben. Das sind nach heutiger Währung mehr als 110.000 €.
In den Jahren 1969 und 1970 fand eine vollständige Aussenrenovierung der Kirche St. Georg statt. Dabei ist höchstwahrscheinlich das Kriegerdenkmal abgebaut und vor dem Alten Friedhof wieder aufgestellt worden. Die bisherige Nische mit Sitzbank in der Mauer, in der das Kriegerdenkmal stand, wurde abgebrochen, die Mauerecke wieder zugemauert und verputzt. Dem Autor liegt ein Nachweis vor, dass das Kriegerdenkmal schon 1971 vor dem Alten Friedhof stand.
Der Grund, weshalb das Denkmal dort weg musste und wer das veranlasst hatte, konnte bisher trotz intensiver Nachforschungen nicht in Erfahrung gebracht werden.

Vermutlich war der Anlaß wie folgt: Nachdem ein Kriegerdenkmal eine ähnliche Funktion wie ein Grabstein hat, gab es wahrscheinlich Stimmen, nach denen ein Grabstein zum Friedhof und nicht zu einer Kirche gehöre.

Am 12. November 1971 wurde die „Zentrale Gedenkstätte“ auf dem Neuen Friedhof eingeweiht.

1987 wurde das Kriegerdenkmal (vor dem alten Friedhof) renoviert.

Am 8. Mai 1945 war der 2. Weltkrieg zu Ende. Zum gleichen Datum im Jahre 2009 enthüllte der Kulturkreis Haunstetten an der Außenmauer des alten Friedhofs beim Kriegerdenkmal zwei Tafeln mit 388 Namen von im zweiten Weltkrieg gefallenen Haunstettern und von Angehörigen derjenigen Heimatvertriebenen, die nach dem 2. Weltkrieg ihre neue Heimat in Haunstetten gefunden haben. Eine Landkarte zeigt, wo sich die letzten Ruhestätten befinden. Die Namen hat Altstadtrat Heinrich Bachmann erforscht. Geweiht wurden die Tafeln von Pfarrer Dirk Dempewolf (Christuskirche), Dekan Markus Mikus (St. Albert und St. Georg) und Pfarrer Mate Cilic von St. Pius. Bürgermeister Peter Grab sprach ein Grußwort. Auch der ehemalige Pfarrer von St. Pius Hans Stiefenhofer und der ehemalige Pfarrer von St. Albert, Robert Lauter, waren anwesend.

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Für sehr viele Haunstetter Kinder war die Nische um das Kriegerdenkmal herum mit der Steinbank ein bevorzugter Aufenthaltsplatz. Es gibt fast keine gebürtigen Haunstetterinnen oder Haunstetter mittleren Alters oder älter, die dort nicht gesessen haben vor der Schule, nach der Schule, vor dem Gottesdienst oder nach dem Gottesdienst.

Vor dem Alten Friedhof steht das Kriegerdenkmal „einfach da“ und mehr nicht. Die Friedhofsbesucher beachten es nicht und auch sonst wirft kaum jemand einen Blick dorthin. Keine Kinder treffen sich dort vor der Schule und vergleichen ihre Hausaufgaben oder erzählen einander nach der Schule allerhand Erlebnisse oder blödeln und läppeln miteinander. Sie treffen sich sonntags nicht vor dem Gottesdienst und sitzen auch danach nicht dort beieinander. Keine jungen Mädchen und Burschen treffen sich dort bei der einsetzenden Dämmerung zu einem Techtelmechtel.

Kurz und gut: Das Kriegerdenkmal »langweilt sich an seinem derzeitigen Standort fast zu Tode«.

(Text & Bild(er): Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)