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Café Post – es war einmal …

Eine alte Postkarte mit dem Innenraum des Cafe Post. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Das Café Post besteht nicht mehr. Nach fast  90 Jahren wurde es geschlossen und wird auch nie wieder eröffnet werden. Es hatte diesen Namen deshalb, weil in den Räumen ehemals die Haunstetter Post eingerichtet war.

Zur Geschichte des Cafés.

1899 wurde das Haus an der Süd-West-Ecke Poststraße-Hofgartenstraße als Villa „Amalia“ errichtet, worin lange das „Café Post“ betrieben wurde. Dort stand vorher ein landwirtschaftliches Anwesen mit der Haunstetter Hausnummer 22. Sobald das neue Haus fertig war, wurde die Haunstetter Brief- und Fahrpostexpedition von 1867 in diesen Neubau verlegt. (Eine Postexpedition war die Außenstelle oder Nebenstelle  eines Postamtes).

In der Haunstetter Zeitung war am 11. Dezember 1905 zu lesen dass der Buchdrucker Karl Sporer seine Buchdruckerei in das Anwesen des königlichen Postexpeditors Templer verlegte und dort ein Papier- und Schreibwaren-Geschäft eröffnete. Er bot auch Zigarren verschiedener Sorten an. Am 20. Dezember 1905 bot er an: „Sport-Cigaretten“, Formulare, Spielkarten, Schulartikel, Faschingsartikel, Mietverträge, Frachtbriefe, Heiligenbilder, Gebetbücher, Glückwunschkarten, Kindertaschenmesser, Luftkreisel und Mundharmonikas. Karl Sporer war der Herausgeber der Haunstetter Zeitung und der Königsbrunner Zeitung.

Zeitungsanzeige von Karl Sporer

In der Haunstetter Zeitung war Folgendes zu lesen: „Das von Herrn Expeditor J. Templer vor ca. drei Jahren erbaute und seither in seinem Besitz befindliche Postgebäude ging um den Preis von 21.000 Mark in den Besitz des Herrn Johann Müller aus Dürrlauingen über.“ Dieser hatte dann im Postgebäude am 9. Oktober 1907 ein Schreib-, Galanterie- und Kurzwarengeschäft sowie eine Spezereiwarenhandlung eröffnet. Am 4. Dezember 1907 bot er auch an: Spielwaren, Christbaumschmuck, Zigarrenetuis, Portemonnaies, Hutzeln, Backartikel, Backpulver, Lebkuchen, Äpfel, Nüsse usw. Johann Müller gab das Anwesen und das Geschäft bald wieder auf. Er verkaufte „wegen anderweitigen Unternehmens sämtliche Waren zu bedeutend ermässigten Preisen.“

Am Mittwoch, 18. Mai  1910, abends um sechs Uhr versteigerte er im Postgebäude fast seinen gesamten Besitz: „19 gute Leghühner, 1 Chaise*, 1 Chaisengeschirr, ca. 15 Zentner Heu, zugleich den 1. und 2. Graswuchs meines Gartens, ca. 400 Zaunstaketen, mehrere Säcke, 1 Kartoffeldämpfer, einige große Kisten, 1 eichenen Stock, 1 Dezimalwaage, 1 Pickelhaue, 1 Tragkarre, 1 Rolle Drahtgeflecht 50 cm hoch, 1 Glasschrank, 1 Küchenbuffet, 3 Kästen, 2 Bettladen, 1 Schreibpult, 2 Schlüsselrahmen, 1 große Lampe (Flachbrenner), 1 Kinderwagen, 1 Wasserkanne, 1 Spucknapf.“

*(Eine Chaise ist eine Kutsche).

Wegen des ständig wachsenden Aufkommens von Post wurde 1909 die Postexpedition in ein Postamt dritter Klasse umgewandelt.

Im Lauf des Jahres 1927 wurde die Post in das Gebäude an der Nord-Ost-Ecke der heutigen Bürgermeister-Widmeier-Straße und Tal verlegt, und zwar in den Nordteil des Gebäudes. Das Anwesen hatte Max Benz 1909 erworben. Vermutlich war ihm das Erdgeschoß des ganzen Gebäudes allmählich zu groß geworden. Er betrieb dann im südlichen Teil ein Gemischtwarengeschäft. Das kann man sich als einen Mini-Supermerkt vorstellen.

Wo bisher die Post eingerichtet war, wurde nun ein Café, das „Café Post“ eingerichtet.

Das Haus in der Nord-Ost-Ecke der Heutigen Bürgermeister–Widmeier-Straße und Tal in der damaligen Ansicht. Die Schrift am Haus: Gemischtes Waren Geschäft von Max Benz

Am 17. Dezember 1927 wurde im bisherigen Postgebäude das „Café Post“ als Café- und Weinrestaurant in Haunstetten eröffnet. Besitzer war Georg Schmidbauer mit Frau. Bereits am 4. Februar 1928 feierte das Café Post in den oberen Räumen des Gebäudes einen Hausball. Am 17. Juni 1928 feierte das Café Post „Garten-Eröffnung mit Konzert“.

Am 26. Februar 1932 übertrug man die nunmehrige Haunstetter Postagentur an die Tochter der Gebäudeeigentümers, nämlich Frl. Cäcilie Benz. Dabei wurde auch der Grund für den Umzug von der Poststraße in das Haus in der heutigen Bürgermeister-Widmeier-Straße genann:  „Soviel uns bekannt ist, waren für die getroffene Wahl die mit der Haltestelle der Kraftpost zusammenhän­gen­­den Gründe und die Lage des Gebäudes von ausschlaggebendem Einfluß. Das bisherige Postlokal mußte jedenfalls deswegen ausschei­den, weil die Post in erster Linie, sofern dies überhaupt möglich ist, darauf sieht, daß das Lokal und die Wohnung des Postagenten beisammen und in dessen eigenem Hause ist.“

Aus der Haunstetter Zeitung vom 3. Juni 1932: Das „Konditorei-Café Post sowie das Kolonialwaren-Geschäft wurde vor kurzer Zeit von Eugen Schlotter übernommen. Eigentümer ist der Darlehenskassenverein Haunstetten“. 1934 pachtete Clemens Haider das Café von Eugen Schlotter. Ende 1939 veröffentlichte Eugen Schlotter mit Frau Glück- und Segenswünsche zum neuen Jahr (1940) in der Haunstetter Zeitung als Eigentümer von Conditorei und Café Post.

Das Cafe Post, damals noch in der Horst-Wessel-Straße, war nach dem Ende des 2. Weltkriegs auch von der US-Army beschlagnahmt worden. Eigentümer waren damals der Konditormeister Eugen Schlotter und seine Ehefrau Wally.

Aus einem undatierten Schreiben des Konditormeisters Eugen Schlotter, Cafe Post, an die Gemeinde Haunstetten: „Mein ganzes Anwesen wurde am 28. Juli 1945 von der amerikanischen Armee be­schlagnahmt. Der Besitzer [Eugen Schlotter] wurde verpflichtet, selbständig für die ganze Arbeit zu sorgen: Kochen, backen, Zimmer richten, waschen und putzen. Die Arbeitszeit betrug bis 1. Okt. 45: 60 Tage, pro Tag mindestens 12 Stunden, von früh 6 Uhr bis 18 Uhr abends. 60 Tage á 12 Stunden ergeben 720 Stunden. Sonntags wur­de auch gearbeitet, da die Herren auch Sonntags essen, gab es für uns bis heute noch keinen freien Tag.“

Für sich als Konditormeister forderte Eugen Schlotter eine Mark pro Stunde, für seine Frau Wally als Köchin 0,80 Mark pro Stunde, für das Cafe-Lokal pro Monat 150 Mark, für die eigene Wohnung pro Monat 50 Mark. Für die Mietwohnung im 1. Stock (bisher Familie Schneider) 40 Mark und im 2. Stock (bisher Familie Langen) 25 Mark monatlich. „Die Wäsche wurde von mir gestellt, sowie die Heizung und Feuerung für Ofen, Herd und Backofen zwei Monate lang = 90 Mark. Kraft-Licht und Wasser laut Rechnung der Ge­mein­de 90 Mark. Gesamt 1916,– Mark. Die Arbeitszeit der bei mir beschäftigten Beihilfen be­trug nicht acht Std. pro Tag, sondern mindestens 12 Stunden, auch Sonntags, da ge­kocht werden musste. Sind mithin auch 60 Tage bis 1. Okt. 1945, auch 720 Std.“

1952 war Clemens Haider der Inhaber des Café Post. Clemens Haider eröffnete am Samstag, 2. April 1955, neben dem Café Post auch eine Konditorei. Das Café war im Sommerhalbjahr 1956 ein paar Wochen lang geschlossen. Am Donnerstag, 18. Oktober 1956, eröffnete Clemens Haider mit Frau das renovierte und modern gestaltet Café Post wieder.

1996 wurde aus dem Café Post „Uli’s Kaffehaus“ von Uli Keitz und seiner Ehefrau Ina Potkowa-Keitz. „Uli’ Kaffeehaus“ ging im Juni 2011 an das Café Demharter in Göggingen über. Inhaber: R. Dutz. Am 4. Juli 2011 war es noch geschlossen. Wiedereröffnet wurde  es am 1. September 2011.

Im Jahr 2015 übernahm die Bäckerei-Konditorei Vögele aus Schwabmünchen das Café für ein Jahr, dann ging es in Konkurs.

Das ehemalige Cafe Post im Jahr 2015
Aushang im ehemaligen Cafe Post

Am 1. Februar 2016 wurde das Café Vögele (Café Post) für immer geschlossen.

Seit 2017 wird das ehemalige Café zu Wohnungen umgebaut. Es entstehen eine große Wohnung, eine kleine Wohnung und ein Appartement. Die große Wohnung bekommt ein Enkel von Frau Haider, das Appartement übernimmt Frau Haider selbst und die kleine Wohnung kann ab 1. August 2017 gemietet werden.

In zwei Jahrzehnten weiß niemand mehr etwas vom Café Post. Deshalb ist die Geschichte hiermit festgehalten.

(Text & Bild(er): Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)