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Aus der Haunstetter Geschichte – Vor 160 Jahren

Aus der Haunstetter Geschichte
Das Segelflugzeug „Stadt Haunstetten“ beim Landeanflug auf dem alten Flugplatz. (Karl Wahl)

Vor 110 Jahren, 1906, erhöhten die Haunstetter Bauern den Milchpreis um einen Pfennig von 13 auf 14 Pfennig. Die Fabrikarbeiter wehrten sich dagegen. Die Bauern blieben Sieger. In der Gastwirtschaft Jägerhaus wurde eine Versammlung des Konsumvereins abgehalten, bei der 130 Mitglieder teilnahmen und dies als Beweis gewertet wurde, „daß die Arbeiter sich nicht ohne weiteres den Ökonomen fügen wollen“.

Ebenfalls vor 110 Jahren, 1906, beklagte sich ein Haunstetter in einem „flammenden Leserbrief“, dass die verlangten viereinhalb Reichsnickel für die Strecke, sie betrug 30 Pfennig, „viel zu hoch sind. Daher kommt es auch, dass mindestens drei- bis viermal so viele Personen von hier den Weg nach der Stadt und zurück zu Fuß zurücklegen. …“. Mit der Strecke war die Fahrt von Augsburg nach Haunstetten mit der Localbahn gemeint.

Ebenfalls vor 110 Jahren, 1906, wurde in einem großen Artikel in der Haunstetter Zeitung, im „Blättle“, darauf hingewiesen, dass 1905 die Weiterführung der Local-bahn, mit der dann die Gemeinden Haunstetten und Königsbrunn an das staatliche Schienennetz hätten angeschlossen werden können, nachdrücklich befürwortet wurde. „Bezüglich der Bauausführung bestehen keine Schwierigkeiten, es ist ebenes billiges Gelände vorhanden, wie man es sich für einen Bahnbau nicht besser denken kann.“

Ebenfalls vor 110 Jahren, 1906, wurde in Haunstetten der Rauchklub “Es rührt si wos” gegründet.

Ebenfalls vor 110 Jahren, 1906: Haunstetten hat 2.588 Einwohner.

Ebenfalls vor 110 Jahren, am 7. November 1906: Durch die Entschließung und Genehmigung des hohen „Central-Komitee des Landeshilfsverbandes vom roten Kreuz im Felde erkrankter und verwundeter Krieger, München“ wurde die freiwillige Sanitätskolonne Haunstetten eine selbständige Sanitätskolonne. Kolonnenarzt ist Dr. von Hößlin.

Ebenfalls vor 110 Jahren, am 11. November 1906, fand die erste öffentliche Veranstaltung der SPD in Haunstetten statt.
Ebenfalls vor 110 Jahren, am 17. November 1906, suchte der Konsumverein Haunstetten täglich 400 bis 500 Liter Milch.

Ebenfalls vor 110 Jahren, am 15. Dezember 1906, wurde ein „Allgemeiner Sparverein Haunstetten und Umgebung“ gegründet. Er wurde bereits am 28. Februar 1908 wieder aufgelöst.

Ebenfalls vor 110 Jahren, am 17. Dezember 1906, bestanden in Haunstetten folgende Bäckereien:
Josef Engelhardt, Bäckermeister, der Bäcker für den Produktiv- und Konsumverein Haunstetten („Konsumbäcker“ genannt). In dem Haus mit der Backstube in der Siebentischstraße, der heutigen Marconistraße, hat eín Nachfahre von Engelhardt das Restaurant Camouflage eingerichtet.
Gottlieb Gesswein, Bäckermeister, heutige Bürgermeister-Widmeier-Straße.
Josefa Rager, Bäckermeisterswitwe, heutige Bgm.- Widmeier-Straße.
Veronika Rehle, Bäckermeisterswitwe, die „obere Bäckersölde“, Tattenbachstraße.

Vor 100 Jahren,1916, wurde die TSV-Turnhalle vollendet. Sie war damals die schönste Vereinsturnhalle in Bayern. Sie wurde jedoch von 1917 bis 1919 beschlagnahmt und als Reservelazarett benützt. Zu Ehren der Gräfin Tattenbach wurde im Vereinshaus eine Gedenktafel angebracht. Sie hatte in die Baufondkasse zum Turnhallenbau 5.000 Goldmark gestiftet. Die Tafel wurde 1945 vom damaligen Vorstand Franz Arnold senior aus dem brennenden Gebäude gerettet und wurde 1954 in die Chronik- und Gedenktafel im Vereinshaus integriert. Aus der Haunstetter Zeitung, dem „Blättle“, vom 24. April 1936: „Nur wenige Jahre sind es her, da stand die Turnhalle ganz allein auf weiter Flur, wenn man vom Schäfer-stadel absieht, der früher einziger direkter Nachbar war.“

Ebenfalls vor 100 Jahren, 1916: Haunstetten hat 2.252 Einwohner.

Ebenfalls vor 100 Jahren, 1916: Die Gemeinde Haunstetten lässt an der Lokalbahnhaltestelle für Personen eine Wartehalle aufstellen (Siehe hierzu den Rückblick zur Lokalbahn weiter oben].

Vor 90 Jahren, 1926, wurde das evangelische Pfarrhaus (bei der Christuskirche) fertiggestellt. Darin sind das Pfarrbüro sowie die Amtszimmer und die Privaträume des Pfarrers.

Ebenfalls vor 90 Jahren,1926, nimmt der “Arbeiter-Radfahrer-Bund Solidarität“ den Saalsport auf.

Ebenfalls vor 90 Jahren,1926, hat Haunstetten 2.660 Einwohner.

Ebenfalls vor 90 Jahren,1926: Haunstetten ist noch ein Bauerndorf mit folgendem Viehbestand: 639 Stück Großvieh, davon 119 Pferde, 520 Stück Rindvieh, 392 Stück Kleinvieh, und zwar 289 Schweine, 8 Schafe und 95 Ziegen.

Ebenfalls vor 90 Jahren: In der „Haunstetter Zeitung“, im „Blättle“, erschienen ab 1926 regelmäßig Fotografien.

Ebenfalls vor 90 Jahren, am 13. November 1926: „Zur Unterbringung der Motorspritze im Winter soll an der Ostseite des Schulhauses ein geeigneter Raum geschaffen werden, der an die Dampfheizungsanlage des Schulhauses angeschlossen wird.“ (Das Schulhaus war die heutige Eichendorffschule und es ging um die Motorspritze der Freiwilligen Feuerwehr).

Ebenfalls vor 90 Jahren, am 27. November 1926 fand die Hebauffeier für den Saalbau des Gasthauses „Jägerhaus“ statt. (aus dem Saalbau wurde gleich nach dem 2. Weltkrieg das Kino Atrium. Das Gasthaus Jägerhaus wurde im Krieg zerbombt. Es stand auf dem heutigen, freien Platz vor dem ehemaligen Kino Atrium. Die heutige Gaststätte Jägerhaus war ehemals die Gartenschänke des Jägerhauses).

Ebenfalls vor 90 Jahren, am 27. November 1926, wurde August Reichhardt, die erste Haunstetter Tankstelle genehmigt.

Ebenfalls vor 90 Jahren, am 29. November 1926, kaufte Bürgermeister Xaver Widmeier von der katholischen Kirchenverwaltung der Filialkirche Wasserburg, jetzt Günzburg, ein „Glöcklein“ für den alten Friedhof. Es wiegt 23 Kilogramm und kostete 3,60 Mark je Kilogramm. Das waren 82,80 Mark. Es hängt noch immer im Türmchen des Leichenhauses im alten Friedhof Haunstetten und wird als Totenglöcklein zu einem Leichenzug auf dem Weg zu einer Beerdigung geläutet. Die kleine Glocke ist nunmehr etwas mehr als 260 Jahre alt und damit eigentlich ein Denkmal.

Ebenfalls vor 90 Jahren, am 18. Dezember 1926, stand in der ehemaligen Haunstetter Zeitung, im „Blättle“: „Der Gemeinderat hat schon vor längerer Zeit beschlossen, ein Friedhofsglöcklein anzuschaffen und nun hängt seit einigen Tagen ein solches in luftiger Höhe. Von Wasserburg bei Günzburg hat es den Weg zu uns gefunden. Dort hing es mehr als 150 Jahre auf dem Turme der alten nun mehr abgebrochenen Kapelle. Die Glocke ist bedeutend kleiner als ihre Vorgängerin und hat einen silberhellen Klang. Die Inschrift auf derselben besagt, daß sie im Jahre 1755 von Karl Christoph Frauenlob in Ulm gegossen wurde. Die Pfarrgemeinde Günzburg hätte das hübsche Glöcklein für ihre Friedhofkapelle behalten, wenn es nicht zufällig die gleiche Größe und den gleichen Ton hätte, wie das schon vorhandene. Nun hat es in unserem Friedhof einen neuen Platz gefunden.“

Vor 80 Jahren, 1936: Die Abwässer von Haunstetten fließen nun nach Augsburg.
Das bedeutete jedoch nicht, dass alle Haunstetter Anwesen bereits an die Kanalisation angeschlossen waren. Damals wurde zwischen Augsburg und Haunstetten vertraglich die Einleitung der Kanalwässer in einer Menge von maximal 710 Litern je Sekunde in das Kanalnetz von Augsburg vereinbart. Das bei einem Wolkenbruch entstehende Mehrwasser war durch einen Regenauslaßkanal in den Lochbach abzuleiten. Damals war nicht daran zu denken, dass beim viel späteren und endgültigen Ausbau der Kanalisation ab 1957 bis zu 2.600 Kubikmeter Abwasser je Sekunde vorkommen. Demnach hätten 1.890 Kubikmeter pro Sekunde in den Lochbach abgeleitet werden müssen. Der Lochbach fließt jedoch normalerweise schon fast randvoll.

Deshalb musste ein Regenwasser-Rückhaltebecken gebaut werden. Es wurde an der Nord-Ost-Ecke Haunstetter Straße / heutige Ellensindstraße geschaffen. Eine Halle der Firma Premium-Aerotec steht knapp daneben. Entleert wird das Becken mit Schmutzwasserpumpen, die den Beckeninhalt auf die Höhe des Hauptkanals hochpumpen und dann wird es in den Hauptkanal nach Augsburg eingeleitet.

Regenrückhaltebecken werden schon lange nicht mehr gebaut sondern es werden sowieso notwendige Abwasserkanäle auf einer längeren Strecke mit einer viel größeren inneren Weite, als er zur normalen Entwässerung nötig wäre, verlegt.

Am Übergang von der großen Innenfläche zum normalen Kanaldurchmesser steckt dann eine Drossel, die das Regenwasser bei einem Starkregen oder Wolkenbruch nur dem geringeren Durchmesser entsprechend abfließen lässt und dadurch das Regenwasser erst einmal gestaut wird. Das ist dann ein Regenwasser-Rückhalte-Kanal.

Solche Regenwasser-Rückhaltekanäle stecken in Haunstetten unter folgenden Straßen: Bürgermeister-Widmeier-Straße – Forsthausweg – Krankenhausstraße – Lupinenstraße und Martinistraße.

Ebenfalls vor 80 Jahren, 1936: Haunstetten hat 3.552 Einwohner.

Ebenfalls vor 80 Jahren, 1936: Vom bisherigen Obst- und Bienenzuchtverein wird der Bienenzuchtverein abgetrennt und der Name „Gartenbauverein Haunstetten“ angenommen.

Ebenfalls vor 80 Jahren, 1936: Die Gemeinnützige Baugesellschaft „Bayerische Flugzeugwerke“ plant und beginnt 1936 den Bau von 125 Einzelsiedlungen und von 18 Reihenhäusern. Die Ausführung wird der „Bayerische Heimstätte GmbH, Treuhandstelle für Wohnungs- und Kleinsiedlungswesen“ übertragen. Hier handelt es sich um die „Messerschmittsiedlung“ mit den Einzelhäusern (Siedlerstellen, Kleinsiedlungsstellen) nördlich der Flachs-Straße.

Ebenfalls vor 80 Jahren, 1936: Mit dem Bezug der Messerschmittsiedlung wurde erstmals die Haunstetter Stromversorgung mit den LEW verbunden, wodurch Haunstetten teilweise mit Drehstrom versorgt wurde.

Ebenfalls vor 80 Jahren, 1936: Reklame der NAZI: „Jeden Monat ein Eintopf-Sonntag“ und „das Gemeinschaftsessen am Eintopfsonntag ist der sinnfälligste Ausdruck, daß unser ganzes Volk einig ist in der Hilfsbereitschaft.“ Als „Eintopfsonntag“ wurde in Deutschland seit dem 1. Oktober 1933 eine Propagandaaktion durch das nationalsozialistische Regime als ein Zeichen der Solidarisierung mit der Volksgemeinschaft eingeführt. An bestimmten Sonntagen sollte das ganze Volk nur ein Eintopfgericht essen und den Differenzbetrag zum höheren Preis einer normalen Sonntagsmahlzeit dem Winterhilfswerk spenden. Diese Aktionen sollten der Förderung des völkischen Gemeinschaftsgedankens im Sinne eines “Sozialismus der Tat” dienen. Führende Repräsentanten des Dritten Reichs suchten durch öffentliche Eintopf-Schau-Essen von der Volkstümlichkeit dieses Gerichts zu profitieren und nutzten es in der Propaganda zur sinnbildhaften Umschreibung wie: “Der Nationalsozialismus ist eine gute deutsche Hausmannskost, ein Eintopfgericht”. Aussage von Goebbels am 7. November 1933.

Kommentar: Ein guter Eintopf kostet genausoviel wie eine „normale Sonntagsmahlzeit“.

Ebenfalls vor 80 Jahren, 1936, gab die Gemeindeverwaltung Haunstetten von einer Erfassung am 10. Oktober 1934 folgendes bekannt: 413 Wohngebäude, 898 Haushaltungen, 3.180 Einwohner, davon 1.498 männlich und 1.682 weiblich, 2.588 Katholiken, 544 Protestanten und 48 bei sonstigen Religionen. 1.926 Arbeiter, 359 Einwohner im Gewerbe, Handel, Handwerk und in der Industrie Beschäftigte, 340 Einwohner in der Landwirtschaft, 508 Einwohner sind Beamte und Angestellte und 47 Einwohner betätigen sich in freien Berufen.

Ebenfalls vor 80 Jahren, am 21. November 1936 fand eine Altmaterialsammlung statt. Hierzu gab es folgende Werbung: Der Verein „Schutz dem Volksgut‘ wird mit Unterstützung durch DAF, NS-Bauernschaft, NS-Frauenschaft und Schule auch in Haunstetten in Zukunft alle Arten von Altmaterial sammeln und der Wirtschaft wieder zuführen. Jedes Schulkind [!] soll in der elterlichen Wohnung darüber wachen, daß nichts von Metall in die Aschengrube oder in die Kehrrichttonne wandert. Gesammelt wird alles, was überhaupt Metall ist, nicht nur altes Eisen, sondern auch Konservenbüchsen, Heringsbüchsen, unbrauchbares Emailgeschirr, alte Kochtöpfe und Wassereimer, Blech, Blechdosen, Nägel, Sprungfedern, Zigarettenschachteln aus Blech, Tuben aus Zinn und Legierungen, Zinn- und Aluminium-Folie, kurz, alles aus Metall, ob vernickelt, verzinnt, verzinkt, lackiert oder verrostet. Ganz besonders wird Wert auf die restlose Sammlung von Aluminium in Form alter Kochgeschirre und sonstiger Gebrauchsgegenstände und Bruchstücke, nicht zuletzt aber auch der Aluminiumfolie aus Schokoladen und Zigarettenpackungen gelegt. Es ist wichtig zu wissen, daß Deutschland jährlich für viele Millionen Mark nur an alten Konservenbüchsen und Zigarettenschachteln für besondere Verwendungszwecke aus dem Ausland einführen muß, während solches Material zu den gleichen Summen bei uns in den Müllgruben verschüttet wird. […] Privatwirtschaftlich gesehen ist die Erfassung von Schmelzschrott demnach ein Verlustgeschäft und nicht zu verantworten, volkswirtschaftlich aber eine unbedingte Notwendigkeit und Volksaufgabe.“

Ebenfalls vor 80 Jahren: Am 28. und 29. November 1936 ist „Gau-Straßensammlung. Alles trägt das schwäbische WHW-Abzeichen.“ WHW: Das nationalsozialistische „Winterhilfswerk des Deutschen Volkes“.

Ebenfalls vor 80 Jahren wurde am 1. Dezember 1936 das Gesetz über die „Hitler-Jugend“ (HJ) wird erlassen. Die Mitgliedschaft für alle Jugendliche ab zehn Jahren war Pflicht. Das Fernbleiben war jedoch nicht strafbar, weil bis 1939 die Durchführungsverordnung zum Gesetz fehlte.

Ebenfalls vor 80 Jahren hatte ab 1. Dezember 1936 „die sportliche Erziehung der Jugend zwischen 10 und 14 Jahren ausschließlich durch das „Deutsche Jungvolk“ zu geschehen. Die Schülerabteilung des TVH löst sich somit noch in diesem Monat auf.“ (TVH = Turnverein Haunstetten, seit 1946 TSV). Die Anordnung erfolgte nach dem Gesetz über die HJ. Das „Deutsche Jungvolk“ (DJ), kurz auch als „Jungvolk“ bezeichnet, war eine Jugendorganisation der Hitler-Jugend für Buben zwischen 10 und 14 Jahren.

Aus den Überlieferungen der vorigen Generation: Wie fing in der NAZI-Zeit ein Witz an? Wer einen Witz erzählen wollte, drehte erst mal den Kopf nach links und schaute, dann nach rechts und schaute, und vergewisserte sich sogar noch nach hinten, ob nicht ein NAZI oder ein Denunziant mithören würde.

Ebenfalls vor 80 Jahren wurde am 1. Dezember 1936 die neu errichtete Milchsam-melstelle an der Ecke Mühl/Thomastraße eröffnet. Die damalige Mühlstraße ist heute die Martinistraße. „Neben dem Anlieferungsraum liegt der Verkaufsladen, hoch, geräumig, hell, die Wände ringsum mit weißen Fließen belegt. In diesem Laden steht auch ein sauberer Kühlschrank, so daß jedem Verderb der Waren vorgebeugt ist. …“. Dort wurden Milch, Buttermilch, Sahne, Topfen (Quark) und verschiedene Käsesorten verkauft.

Ebenfalls vor 80 Jahren. Am 4. Dezember 1936: „Die Sammlung von verrostetem Blech und dergl. hat eine solche Menge ergeben, daß nicht weniger als 3 große Eisenbahnwaggon damit verladen werden konnten.“
Ebenfalls vor 80 Jahren am 5. Dezember 1936 „Tag der nationalen Solidarität“. Er soll „Ausdruck schicksalverbundener Volksgemeinschaft sein. In ihr entscheidet nicht das bloße Wort, sondern allein die opfernde Tat. Sie ist nationale Ehrenpflicht, ist Spiegel der Gesinnung. Es sammeln an diesem Tage in unserem Orte zum WHW die pol. Leiter, SA, HJ, NSKOV, und BdM; die Walter und Warte aller Gliederungen, einschließlich NS-Frauenschaft, führende Persönlichkeiten der angeschlossenen Verbände, der Gemeinde, des Staates, der freien Berufe. Die Haussammlung wird als Listensammlung zwischen 3 – 6 Uhr nachmittags durchgeführt, die Gaststättensammlung um 8 Uhr bis 10 Uhr abends.“
NSKOV = Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung.

Ebenfalls vor 80 Jahren am 11. Dezember 1936 wurde bekanntgegeben:
„Auf dem Siedlungsgelände der BFW auf der Breitwiese sollen nachstehende Geschäfte errichtet werden: Kolonialwarenhandlung, Bäckerei, Milchverkaufsstelle und Metzgerei. Für die drei Erstgenannten sind schon Interessenten gemeldet, dagegen nicht für den Metzgereibetrieb.“

Die BFW waren die Bayerischen Flugzeugwerke. Auf dem Siedlungsgelände entstand die Messerschmittsiedlung. Die Kolonialwarenhandlung stand auf der Ostseite der Breitwiesenstraße (Hummel). Die Bäckerei Mayr und die Metzgerei Festerling waren beide in der Flachsstraße, dort wo sie verbreitert ist und einen kleinen Schwenk macht. Milch und Lebensmittel wurden bei Spreitler in der heutigen Kopernikusstraße verkauft.

Ebenfalls vor 80 Jahren, am 11. Dezember 1936 wurde die Bücherei der Ortsgruppe der NSDAP von der Gemeinde übernommen. Sie wurde als öffentliche Volksbücherei unverändert weitergeführt. Die Bücherei hatte rund 1.000 Bände.
Dies war vermutlich der Grundstock, aus dem nach und nach die heutige Stadtbücherei Haunstetten geworden ist.

Ebenfalls vor 80 Jahren, am 11. Dezember 1936 wurde das Gasthaus „Prinz Leopold“ gegenüber dem Alten Friedhof von Kaspar Hofner an Karl Wüst verkauft. Als Kaufpreis wurden 35.000 Reichsmark angegeben. Karl Wüst verstarb 1947. Frau Maria Wüst war als Witwe noch viele Jahre lang die Eigentümerin und Wirtin. Im Volksmund wurde nur von der „Wiaschde“ geredet. Jetziger Name des Hauses: „ArtHotel ANA Style“.

Vor 70 Jahren, 1946. Da im Nachkriegsdeutschland der Flugzeugbau verboten war, stieg Messerschmitt auf den Bau von Fahrzeugen um. Es wurden Teile für den Kabinenroller geliefert (im Volksmund der Schneewittchensarg). Er schuf auch ein Auto der Mittelklasse mit dem P 511 und montierte Vespa-Motorroller mit dem Messerschmittzeichen. In Süddeutschland entstanden nach einem neuartigen Konzept von Messerschmitt und seinen Ingenieuren Fertig-Ferien-Häuser für 200 Wohneinheiten. Erfolgreich waren auch die Messerschmitt-Nähmaschinen.

Ebenfalls vor 70 Jahren, 1946: Haunstetten hat 8.156 Einwohner.

Ebenfalls vor 70 Jahren, 1946, wurde die Ortsgruppe Haunstetten der Naturfreunde gegründet.

Ebenfalls vor 70 Jahren, 1946: Im ehemaligen Flüchtlingslager an der Inninger Straße (hinter dem heutigen Kaffee Spring) übte und spielte die „Volksbühne Haunstetten“, hatten ihr Quartier die Naturfreunde, die Sozialistische Jugend „Die Falken“, die Nähstube der Arbeiterwohlfahrt und der Rettungsdienst des BRK.

Ebenfalls vor 70 Jahren, 1946: Der Kindergarten an der Schulstraße wurde zu Wohnzwecken genutzt und wurde später wieder ein Kindergarten.

Ebenfalls vor 70 Jahren, 1946: Als die Militärregierung politische Parteien wieder zuließ, wurde die SPD Haunstetten wieder gegründet durch Josef Schäfer (Ortsvorsitzender), Keilhofer, Heinrich Wahl, Timpel, Ludwig Zerrle und Geiselhart.

Ebenfalls vor 70 Jahren, 1946: Josef Schorer, der 1. Bürgermeister nach dem zweiten Weltkrieg, gründete im Januar 1946 den Ortsverband Haunstetten der CSU. Die Gründungsmitglieder waren: Karl Bössel, Andreas Brem, Dr. Walter Hörmann, Josef Merk, Ludwig Mögele und Karl Settele. Josef Schorer wurde später Ehrenvorsitzender. Laut der Festschrift der CSU zum 50jährigen Jubiläum, waren weitere Gründungsmitglieder: Vitus Bühler, Richard Dollinger, Christian Eyring, Nikolaus Geis, Franziska Mögele, Ludwig Mohr, Anton Ott, Karl Spreitler.

Ebenfalls vor 70 Jahren: Anfangs 1946 wurde wieder der durchgehende Straßenbahnbetrieb auf allen Strecken aufgenommen.

Ebenfalls vor 70 Jahren, 1946, änderte der Turnverein Haunstetten seinen Namen von TVH in TSV (TVH = Turnverein Haunstetten, TSV = Turn- und Sportverein).

Ebenfalls vor 70 Jahren, 1946, veranstaltete die Augsburger Polizei auf dem Haunstetter Schießplatz an der verlängerten Krankenhausstraße mit amerikanischen Trommelrevolvern ihr erstes Schulschießen nach dem Krieg.

Ebenfalls vor 70 Jahren, 1946, wurde die heutige Schopenhauerstraße im Volksmund „Bauragäßle“ oder „Bauragaß“ genannt. Das Quergässchen war im Volksmund die „Kuahwedlgaß“. Haunstetten war ehedem ein Bauerndorf!

Ebenfalls vor 70 Jahren, am 1. Dezember 1946 wählten die Bayern ihren ersten Landtag.

Ebenfalls vor 70 Jahren, am 31. Dezember 1946, lebten in Haunstetten 2.238 DP mit IRO-Status. DP = Displaced Person(s). Personen fremder Staats- oder Volkszugehörigkeit, Verschleppte, Deportierte, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge unterschiedlichster Art, die sich im ehemaligen deutschen Reichsgebiet aufhielten. IRO = Abkürzung für „International Refugee Organization“. Eine internationale Flüchtlingsorganisation der UN; Sie hat etwa eine Million europäischer Flüchtlinge in den USA, in Kanada, in Australien und in Israel angesiedelt. Ihre Aufgaben übernahm 1951 der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge.

Vor 60 Jahren, 1956, bestand im Keller der Eichendorffschule die „Volksbücherei Haunstetten“.

Ebenfalls vor 60 Jahren, 1956, hatte die MAN ein Ersatzteillager in der heutigen Kopernikusstraße, westlich der Breitwiesenstraße.

Ebenfalls vor 60 Jahren, 1956, wurden im Haus Lenke in der Tattenbachstraße auch Stoffe verkauft, die der Großvater von Frau Lenke aus Grünwald (im Gebiet der ehemaligen DDR) bezog.

Ebenfalls vor 60 Jahren, 1956, wurde die „Jugend in der CSU“ Haunstetten gegründet – „Junge Union“.

Ebenfalls vor 60 Jahren, im Frühjahr 1956, wurde das Straßenbahngleis zwischen der Protestantischen Kirche und dem Georg-Käß-Platz abgebaut.

Ebenfalls vor 60 Jahren, 1956, wurde das “Gasthaus-Café Ritter St. Georg“ abgebrochen und neu und mit einem Saal erbaut. Das neue Gebäude ist äusserlich in einem ähnlichen Baustil wie die alte Gastwirtschaft, jedoch mit einem Obergeschoß errichtet worden. Es nahm am 28. Dezember 1956 den Betrieb auf. Drei Tage später, am 31. Dezember 1956, wurde bereits ein Silvester-Tanz veranstaltet. Bei den Silvesterbällen danach gab es immer eine Verlosung mit einem echten, kleinen Glücksschwein als Hauptpreis. Es wurde immer vom Saxophonisten der Musikkapelle überreicht. Als einmal das Schweinchen ihn vor lauter Aufregung ansch…, weigerte er sich, zukünftig das Ferkel zu tragen und zu übergeben. Danach gab es nur noch ein künstliches Glücksschwein.

Ab 1961 benannte sich die „Gastwirtschaft Ritter St. Georg“ um in „Haus Settele“ und 1965 oder 1966 in „Gasthaus Settele“.

Es wurden weiter betrieben die Metzgerei und die Landwirtschaft. Die Metzgerei befand sich im Haus und zog 1885 als eigener Betrieb mit Laden in die Haferstraße um. Die Landwirtschaft wurde, als sie 1970 total abbrannte, aufgegeben. Auf einem Teil davon steht seit 1983 eine Tennishalle.

Ebenfalls vor 60 Jahren, im Mai 1956, durften die Motorsportflieger auf dem Alten Flugplatz wieder ihren Betrieb aufnehmen. Der Flugplatz war seit Ende des 2. Weltkriegs von den Amerikanern beschlagnahmt gewesen.

Ebenfalls vor 60 Jahren, 1956: Die Volksschule Haunstetten hatte zu Beginn des Schuljahres 1956/57 39 Schulklassen. Darunter 518 Buben in der katholischen Knabenschule, 460 Mädchen in der katholischen Mädchenschule, 390 Buben und
Mädchen in der evangelischen Volksschule. Außerdem zwei Klassen der städtischen Singschule in den Schulräumen der Stadt.
Schulräume in der Eichendorffschule: 14 Normalschulräume und 1 Behelfs- Schulraum.

Schulräume in der Fröbelschule: 9 normale und 3 Behelfsschulräume. Dazu eine Schulküche für den Koch-Unterricht. Bis dahin wurde in Haunstetten kein Koch-Unterricht erteilt.

Turnhalle in der Frühlingstraße (heutige Arberstaße): 2 Behelfsschulräume.
Wirtschaftsgebäude des TSV: 4 Behelfsschulräume.
Im Handarbeitsunterricht der Mädchen wurden gelehrt und geübt: Nähen, Stricken, Sticken, Zuschneiden, Häkeln z.B. Topflappen, Socken, Handschuhe (Fäustlinge, Fingerhandschuhe), Aufbewahrungstasche für Taschentücher, Latzschürze genäht und bestickt, Nachthemd zugeschnitten und genäht. Kochmütze genäht und bestickt.

Ebenfalls vor 60 Jahren,1956: Die Jugendgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) Haunstetten gründete eine Jungmädelgruppe.

Ebenfalls vor 60 Jahren,1956: Durch den Ausbau der B 17, die damals noch durch Haunstetten führte, wurde das „Eck“ bei der alten Kreissparkassenfiliale in Haun-stetten beseitigt. Das „Eck“ war an der Abzweigung der Landsberger von der Haunstetter Straße. Die Landsberger Straße mündete damals rechtwinklig in die Haunstetter Straße ein. Beim Ausbau der damaligen Bundessstraße 17 mußten das Haus Sigmund und die Antoniuskapelle, die beide in der Flucht Haunstetter Straße / heutige Bürgermeister-Widmeier-Straße standen, abgebrochen werden und wurden etwas weiter westlich davon neu erbaut.

Ebenfalls vor 60 Jahren: Der dreifache Motorradweltmeister Werner Haas verunglückte am 13. November 1956 bei einem Flugzeugabsturz bei Neuburg/Donau tödlich.

Ebenfalls vor 60 Jahren: In der Turnhalle am Ende der Frühlingstraße fand am 1. Dezember 1956 das „Bayerische Oberliga-Radballturnier“ statt. Radballspieler waren u.a. Fritz und Alfred Wahl. Im Kunstradfahren glänzt die 2. deutsche Jugendmeisterin Käthi Wahl.

Ebenfalls vor 60 Jahren, 1956: Das Haunstetter Faschingsprinzenpaar von 1954, Renate Festerling und Alfred Riedel heirateten am Samstag, 8. Dezember 1956 auf dem Standesamt in Haunstetten.

Ebenfalls vor 60 Jahren,1956: Eine Woche vor Weihnachten 1956 wurden die drei Glocken für die Kirche St. Albert geliefert. Sie wurden in der Gießerei Rudolf Perner in Passau gegossen. Sie wurden am Samstag, 17. Dezember 1956, von
Stadtpfarrer Siegmund Berger (im Volksmund der „EXE“ von Expositus, oder der
„Kischdakobf“ wegen seiner etwas charakteristischen Kopfform) geweiht. Erstmals läuteten die Glocken am Heiligen Abend 1956 das Weihnachtsfest ein.

Ebenfalls vor 60 Jahren: Haunstetten hat 1956. am 31. Dezember 13.836 Einwohner.

(Text & Bild(er): Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)