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Aus der Haunstetter Geschichte – Vor 160 Jahren

Aus der Haunstetter Geschichte
Ein Lokalbahnzug kommt von der Färberei und Bleicherei Martini. In Bildmitte die Abzweigung zur Kunstmühle Haunstetten. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Vor 120 Jahren, 1896, stellte die Gemeindeverwaltung von Haunstetten für den Fall der Erbauung einer Lokalbahnverbindung mit Personenverkehr und offener Güterabfertigung die Übernahme eines Teils der Grunderwerbskosten in Aussicht.

Hierzu ein Rückblick auf die Lokalbahn in Haunstetten:

Der Güterverkehr von Augsburg nach Haunstetten wurde 1900 und die Personenbeförderung 1901 aufgenommen.

Am Güterbahnhof wurde angeliefert: Kohle für die örtlichen Kohlenhändler, Kunstdünger für die Landwirte, gelegentlich eine ganze Reihe von Waggons mit Getreide für die Kunstmühle Haunstetten, obwohl sie einen eigenen Bahnanschluss hatte, große Kisten und Pakete. Damals gab es noch keine Lkw und Lastzüge wie heute, es wurde auf längeren Strecken alles mit der Bahn transportiert.

Im Güterbahnhof wurde verladen: Von den Haunstetter Bauern viele Waggons Zuckerrüben für den Transport zur Zuckerfabrik in Rain am Lech. Ebenfalls große Kisten und Pakete und allerlei gemischte Güter.

Zum Personenverkehr: Die Fahrzeit von Personenzügen betrug 25 Minuten. Täglich fuhren sechs Züge mit den Haltestellen Morellstraße, Siebentisch (wo heute noch die Lokalbahn die Straßenbahnlinie 2 kreuzt), Siebenbrunn (am Ostrand der Volkssiedlung), Haunstetten Spinnerei und Weberei sowie an der Endhaltestelle des Personenverkehrs, unmittelbar nördlich der Krankenhausstraße.

Aus Zeitungsberichten ist zu entnehmen: „Am Sonntag 5. Mai 1901 war der Ausflugverkehr nach Haunstetten so stark, daß der Zug nachmittags um 5 Uhr ab Haunstetten elf Personenwagen hatte und er mit einer Tenderlok gezogen wurde.“ – „Am Sonntag, 23. Juni 1901 verkehrten auf der Lokalbahn nach und von Haun-stetten über 1400 Personen.“ – „An manchen schönen Sonntagen kamen mit der Lokalbahn 1.000 und mehr Personen in unseren Ort. Eisenbahn­züge mit 14 bis16 Wagen waren oft nötig, um den Verkehr bewältigen zu können.“ – „Einmal brachte es so ein Sonntagszug sogar auf 26 Wagen.“

Wenn vor über 110 Jahren so viele „Touristen“ nach Haunstetten kamen, waren auch einige Gaststätten zu deren Versorgung mit Essen und Trinken nötig. Es gab damals in Haunstetten die „Alpenrose“ (Süd-West-Ecke Haunstetter/Hötzelstraße), die Gastwirtschaft „Zur Eisenbahn“ (Siebentischstraße, jetzt Marconistraße), die Gastwirtschaft „Grüner Baum“ (am Nordrand des Georg-Käß-Platzes), den „Hirsch“ (Georg-Käß-Platz), das Jägerhaus (Bgm.-Widmeier-Straße), die „Linde“ (Tattenbachstraße), den „Prinz Leopold“ (gegenüber dem alten Friedhof), die „Sonne“ (Nord-West-Ecke Haunstetter/Inninger Straße, den „Ritter St. Georg (Martinistraße). Der Name „Jägerhaus“ wurde vom ehemaligen Jägerhaus, aus dem das Haunstetter Krankenhaus wurde, übernommen.

Ein Bild mit dem Jägerhaus siehe unter dem 27.11.1960.
Bilder zum „Ritter St. Georg“ siehe unter 1956, „Gasthaus-Cafe Ritter St. Georg“.

Die Lokalbahn hatte früher des öfteren Schwierigkeiten mit den Schneestürmen: Im Dezember 1901 hatte „ein Schneesturm so große Schneemassen mit sich gebracht, daß die Lokalbahn bei den Krautgärten steckenblieb. Während der Fahrt reichte der Schnee oft bis über die Puffer.“ – Januar 1907: „Infolge der Schneeverwehungen war es nicht möglich, am gestrigen Tage den Verkehr auf der Lokalbahn aufrecht zu erhalten; auch heute ist noch kein Zug erschienen und wird voraussichtlich keiner zu erwarten sein.“ … „Infolge der letzten Schneestürme sind auf der Haunstetter Lokalbahn Betriebsstörungen vorgekommen. Der gestern nachmittags 3 Uhr abgegangene Zug ist in der Nähe des Pulvermagazins [auf freiem Feld zwischen Göggingen und der Haunstetter Straße, [ungefähr beim heutigen Messezentrum] steckengeblieben und konnte bis heute noch nicht flott gemacht werden. Von den Schülern, welche sonst den Schulzug benutzen, kam deshalb gestern ein Teil in später Abendstunde zu Fuß nachhause, andere übernachteten in der Stadt. Bis heute mittags ist noch kein Zug eingetroffen.“ – Februar 1909: „Infolge des heftigen Schneegestöbers blieb der um 11.02 Uhr vormittags dahier abgehende Personenzug oberhalb der Station Siebenbrunn stecken. Obwohl mehrere Arbeiter herbeigeschafft wurden, so gelang es bis jetzt (mittags 1 Uhr) nicht, den Zug wieder mobil zu machen.“
1904 schlägt die Direktion der Lokalbahn der Gemeinde Haunstetten vor, an der Haltestelle Haunstetten-Ort (Krankenhausstraße) eine Wartehalle zu errichten. die Gemeinde lehnt dies ab mit der Begründung, „es sei kein Bedürfnis dafür vorhanden.“

1907 wird dem Gastwirt Franz Leopold die Erbauung eines Gasthauses bei der Haltestelle Haunstetten-Ort genehmigt mit der Auflage, daß er auch einen Warte-saal einbaut. Das Bauvorhaben wurde jedoch nicht verwirklicht.

Vor 100 Jahren, 1916, war an der Personenhaltestelle „Haunstetten-Ort“ knapp nördlich der Krankenhausstraße von der Gemeinde Haunstetten eine hölzerne Wartehalle aufgestellt worden.

Nach Eröffnung der Straßenbahnlinei 4 bis zum Georg-Käß-Platz im Oktober 1927 stell­te die Lokalbahn den Personenverkehr mit Ablauf des 31. Dezember 1927 ein. Noch im Dezember 1927 war zu lesen: „Die Wartehalle Haunstetten-Spinnerei, welche wegen Einstellung des Personenverkehrs auf der Lokalbahn Augsburg-Haunstetten nicht mehr benötigt wird und entfernt werden muß, soll künftig als Werkzeug und Geräte-Hütte in der gemeindlichen Kiesgrube Verwendung finden.“

Die damalige Kiesgrube befand sich an der Inninger Straße zwischen der heutigen Via-Claudia-Straße und der Hermann-Frieb-Straße.

Tatsächlich wurde die Wartehalle dann in der Angerstraße als „Katholisches Lehrlingsheim St. Ludwig aufgestellt.

Ebenfalls vor 120 Jahren wurde die “Freiwillige Feuerwehr Haunstetten Bleicherei“, auch als „Freiwillige Feuerwehr Martini & Co. Haunstetten” bezeichnet, gegründet.

(Text & Bild(er): Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)