Start Geschichte Aus der Geschichte Haunstettens

Aus der Geschichte Haunstettens

„Der Konsumbäcker, Bäckermeister Engelhardt vor seiner Bäckerei in der heutigen Marconistraße.“ (Bild: Karl Wahl)
„Der Konsumbäcker, Bäckermeister Engelhardt vor seiner Bäckerei in der heutigen Marconistraße.“ (Bild: Karl Wahl)

Vor 220 Jahren, im Jahr 1797 wurden als Ersatz für Kriegslasten aus dem dörflichen Grundbesitz Wiesen und Äcker abgegeben. Jeder Haunstetter Bauer erhielt zwei Tagwerk und jeder Haunstetter Söldner (Kleinbauer) ein Tagwerk Lechfeldmahd.

Vor 190 Jahren, 1827, wurde die Wachstuchfabrik Haunstetten (Wichs) als bedeutendes Unternehmen bezeichnet. Die Wichs war im 18. Jahrhundert errichtet worden. Das Unternehmen hatte die Hausnummer Haunstetten Nr. 110. Es lag in Ost-West-Richtung gesehen zwischen der Königsbrunner Straße und der Via-Claudia-Straße und in Nord-Süd-Richtung gesehen zwischen der Drususstraße und der Graf-Dietbald-Straße. Die Wachstuchstraße, die dazwischen liegt, erinnert heute noch daran.

Der Name Wichs war in Haunstetten sehr geläufig. Er erschien in der Haunstetter Zeitung zwischen 1901 und 1935 insgesamt 24 Mal.

Das Wort “Wichs” kommt von wächsen, d.h. mit Wachs überziehen. Wachstuchfabrik = Wichs. Weitere Bedeutungen sind: Blank machen, putzen, polieren, verprügeln. “Bua, dear hot’n ab’r g’wichst”. Auch das gute Gewand, ist von der studentischen Gala-Uniform übertragen. „Dear hot die guat Wichs a’zoga“ oder „dear hot si in sei Wichs g’schmissa“.

Die Gemeinden Haunstetten, Königsbrunn und Meringerau (Siebenbrunn) baten die Hohe Kammer der Abgeordneten (Landtag) am 20. Januar 1874, die geplante Lechfeldbahn über Haunstetten und Königsbrunn zu führen. In dem Schreiben heißt es u.a.: „Nachweisbar ist der bisherige Gütertransport der industriellen Etablissements Haunstetten pr. Anno [pro Jahr] zum Bahnhof Augsburg folgender: …

Bleicherei und Färberei des hochlöblichen Georg Käß [Martini] 80.000 Zentner
Kunstmühle des Herrn Bergmüller 140.000 Zentner
Spinnerei und Weberei Haunstetten 40.000 Zentner
Wachstuchfabrik des Herrn Mayer (Julius Meyer) [Wichs] 8.000 Zentner
Mechanische Weberei Höppel [in Siebenbrunn] 12.000 Zentner
4 Ziegeleien 20.000 Zentner
Summa: 300.000 Zentner“

Hinzu kommt, dass die Haunstetter Bauern alljährlich hunderte Tonnen Zuckerrüben auf dem Haunstetter Güterbahnhof verladen und zur Zuckerfabrik nach Rain am Lech geschickt haben.

Die Lechfeldbahn wurde trotzdem, so wie sie geplant war, gebaut.

„Planung anno 1873 der Lechfeldbahn von Bobingen über das heutige Oberottmarshausen zum Lager Lechfeld und die Bitte, die Bahn nördlich von Inningen von der Linie nach Schwabmünchen abzweigen zu lassen und über Haunstetten und Königsbrunn zu führen.“ (Bild: Karl Wahl)
„Planung anno 1873 der Lechfeldbahn von Bobingen über das heutige Oberottmarshausen zum Lager Lechfeld und die Bitte, die Bahn nördlich von Inningen von der Linie nach Schwabmünchen abzweigen zu lassen und über Haunstetten und Königsbrunn zu führen.“ (Bild: Karl Wahl)

Schuhmacher Karl Feigl teilte den Haunstettern 1901 mit, „daß ich meine Schumacherei ab 1. Oktober in die sogenannte „Wichs“ verlegt habe …“.

Anna Brunnhuber wohnte ab 1. Dezember 1902 nicht mehr in der Wichs, sondern bei Bäckermeister Engelhardt (der Koloniebäcker, derzeit Restaurant und Pizzeria Camouflage). Sie bot ein reich sortiertes Lager mit Tafelobst an und verkaufte auf Weihnachten Christbäume.

„Der Konsumbäcker, Bäckermeister Engelhardt vor seiner Bäckerei in der heutigen Marconistraße.“ (Bild: Karl Wahl)
„Der Konsumbäcker, Bäckermeister Engelhardt vor seiner Bäckerei in der heutigen Marconistraße.“ (Bild: Karl Wahl)
„Zur Information: so sieht die Straßenfront der ehemalige Bäckerei Engelhardt in der Marconistraße derzeit aus. (Bild: Karl Wahl)
„Zur Information: so sieht die Straßenfront der ehemalige Bäckerei Engelhardt in der Marconistraße derzeit aus. (Bild: Karl Wahl)

Bauunternehmer Franz Mayr, Werkstatt und Wohnung Haunstetten, Haus Nr. 110, vormals Wachstuchfabrik (Wichs), empfahl sich am 16.01.1903 für alle Hochbau und Stiegenarbeiten.

Dekorationsmaler Andreas Greß wies am 10. Juli 1903 auf seine große geräumige Werkstätte in der ehemaligen Wachstuchfabrik (Wichs) hin und gab bekannt, dass er Möbellackierungen jeder Art ausführt sowie alle Marmorarten imitiert, alte Möbel auffrischt. „Ferner gebe ich bekannt, daß ich für Vereine Wappen, Schilder, Dekorationsbilder, Willkommensgrüße, Sinn- und Kernsprüche, Carnevals-Dekorationen und Transparente verfertige unter Zusicherung vorzüglicher Arbeit […]“.

Ebenfalls vor 190 Jahren, 1827, wurde die Waldgaststätte Jägerhaus, aus der das ehemalige Haunstetter Krankenhaus wurde, von Friedrich Loe in seinem Wanderführer „Augsburgs Umgebung …“ so beschrieben: „Ein anmutiger Park schließt sich an das reinliche, mit mehreren Gastzimmern versehene Gebäude an. Bei freundlicher Witterung ist es dort sehr angenehm, so daß an Sonn- und Feiertagen der geräumige Platz oft zu klein ist, um die Gäste zu fassen.“

„Das ehemalige Krankenhaus von Haunstetten.“ (Bild: Karl Wahl)
„Das ehemalige Krankenhaus von Haunstetten.“ (Bild: Karl Wahl)
„Das ehemalige alte Krankenhaus von Osten – von der verlängerten Krankenhausstraße - gesehen. Links neben dem Krankenhaus das ehemalige Altersheim“. (Bild: Karl Wahl)
„Das ehemalige alte Krankenhaus von Osten – von der verlängerten Krankenhausstraße – gesehen. Links neben dem Krankenhaus das ehemalige Altersheim“. (Bild: Karl Wahl)
„Nur noch die Torpfosten erinnern daran, dass hier einmal die Einfahrt zum alten Haunstetter Krankenhaus war“. (Bild: Karl Wahl)
„Nur noch die Torpfosten erinnern daran, dass hier einmal die Einfahrt zum alten Haunstetter Krankenhaus war“. (Bild: Karl Wahl)
„Auf dieser Grünfläche stand ehemals das alte Haunstetter Krankenhaus“. (Bild: Karl Wahl)
„Auf dieser Grünfläche stand ehemals das alte Haunstetter Krankenhaus“. (Bild: Karl Wahl)

Der Name „Jägerhaus“ wurde, nachdem aus dem damaligen Anwesen das Haunstetter Krankenhaus geworden war, auf die große Gaststätte „Jägerhaus“ in der Bürgermeister-Widmeier-Straße übernommen. Sie wurde 1898/1899 erbaut, jedoch noch ohne den Saal. Das Gasthaus wurde im 2. Weltkrieg zerbombt. Das ist heute der freie Platz vor dem ehemaligen Kino „Atrium“. Die heutige Gaststätte „Jägerhaus“ war ehemals die Gartenschänke des Saalbaues.

„Das Gasthaus Jägerhaus an der heutigen Bürgermeister-Widmeier-Straße. Es stand auf dem freien Platz vor dem ehemaligen Kino Atrium.“ (Bild: Karl Wahl)
„Das Gasthaus Jägerhaus an der heutigen Bürgermeister-Widmeier-Straße. Es stand auf dem freien Platz vor dem ehemaligen Kino Atrium.“ (Bild: Karl Wahl)

Vor 150 Jahren wurde in Haunstettens erster Apotheke am 1. April 1867 die „Brief- und Fahrpostexpedition“ eröffnet. Die Apotheke war in der heutigen Tattenbachstraße Nr. 12 eingerichtet. Wann Haunstettens erste Apotheke eröffnet wurde, konnte bislang nicht erforscht werden. Am 1. April 1867 hat sie bereits bestanden.

Am 11. Oktober 1924 übernahm der approbierte Apotheker Gustav Haager die damals Schwarz’sche Apotheke.

Die Apotheke in Haunstetten wurde am 25.Oktober 1935 in einen Neubau in die Hofgartenstraße 4 verlegt. Die Öffnungszeiten waren: täglich von 8 bis 12 und von 13 bis 19 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 13 Uhr. Eigentümer und Apotheker war Gustav Haager, später der Apotheker Rupert Kammel.

Die ehemalige „alte Apotheke“ in der heutigen Tattenbachstraße Nr. 12 wurde am 7. Februar 1936 um 6.000 Reichsmark an Privat verkauft. Die Bezeichnung „Alte Apotheke“ wurde später auf die „Neue“ in der Hofgartenstraße übertragen, vermutlich weil in Haunstetten nach und nach weitere Apotheken eröffnet wurden.

Die „Alte Apotheke“ wurde vor 60 Jahren von der Hofgartenstraße 4 in die Süd-West-Ecke Hofacker- / Rebhuhnstraße verlegt und dort am 25. Juni 1957 eröffnet. Nachdem der Apotheker vor 30 bis 35 Jahren verstorben war, wurde die Apotheke ersatzlos aufgegeben.

(Bild: Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl)

Ebenfalls vor 150 Jahren, 1867, hatte Haunstetten erstmals mehr als 1.000 Einwohner.

Vor 140 Jahren, 1877, siedelte sich die Bäckerei Rager in Haunstetten an. Dies wurde das Stammhaus mit mehreren Filialen in Augsburg und Umgebung. Die Bäckerei war 1875 gegründet worden, jedoch nicht in Haunstetten.

„Die ehemalige Bäckerei Rager in der Bürgermeister-Widmeier-Straße zwischen der Kirche St. Georg und der Tattenbachstraße. (Bild: Karl Wahl)
„Die ehemalige Bäckerei Rager in der Bürgermeister-Widmeier-Straße zwischen der Kirche St. Georg und der Tattenbachstraße. (Bild: Karl Wahl)

Heute ist dies nur mehr ein Ladengeschäft, denn die eigentliche Conditorei und Bäckerei ist in den Haunstetter Westen verlegt.“

Vor 130 Jahren, 1887, brannte die Gastwirtschaft Settele (Tafernwirtschaft zum Ritter St. Georg) in der Martinistraße total ab und wurde im Jahr darauf neu erbaut. Einer Tafernwirtschaft waren ehedem verschiedene Rechte verliehen. Das konnten sein: Gaststättenkonzession, Schankrecht, Braurecht, Brennrecht (Schnaps), Backrecht (Brot) oder das Gastrecht (Pension, Hotel).

(Bild: Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl)

Ebenfalls vor 130 Jahren, im Juni 1887, gründeten sechs Männer die Schützengesellschaft „Gemütlichkeit“. Sie schossen mit dem Zimmerstutzen und pflegten die „Unterhaltung durch Scheibenschießen“. Vereinslokal war die Tafernwirtschaft Ritter St. Georg.

Ebenfalls vor 130 Jahren, am 3. August 1887, beschloss die Schulsprengelver-tretung von Haunstetten, wegen der Ansiedlungen durch die Industrie ein neues Schulhaus mit vier Schulzimmern zu bauen (2. Schulhaus). Damalige Kosten: 27.000 Mark. Es steht in der heutigen Dudenstraße (ehemals Schulstraße),

„Das ehemalige erste Schulhaus von Haunstetten am Ende der heutigen Dudenstraße (damals Schulstraße). Auf der Südseite der Straße. (Bild: Karl Wahl)
„Das ehemalige erste Schulhaus von Haunstetten am Ende der heutigen Dudenstraße (damals Schulstraße). Auf der Südseite der Straße. (Bild: Karl Wahl)
„Das ehemalige zweite Schulhaus von Haunstetten auf der Nordseite der heutigen Dudenstraße (ehemals Schulstraße).“ (Bild: Karl Wahl)
„Das ehemalige zweite Schulhaus von Haunstetten auf der Nordseite der heutigen Dudenstraße (ehemals Schulstraße).“ (Bild: Karl Wahl)
„Das ehemalige (zweite) Schulhaus von Haunstetten auf der Nordseite der heutigen Dudenstraße (ehemals Schulstraße) in derzeitigem Aussehen. (Bild: Karl Wahl)
„Das ehemalige (zweite) Schulhaus von Haunstetten auf der Nordseite der heutigen Dudenstraße (ehemals Schulstraße) in derzeitigem Aussehen. (Bild: Karl Wahl)

Das ehemals zweite Haunstetter Schulhaus war nach der Eröffnung der Eichendorffschule eine Kinderbewahranstalt und ist derzeit eine Kindertagesstätte.

(Bild: Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl)

Als die Gemeinde wuchs und die Schulräume nicht mehr ausreichten, wurde als Notlösung im allerersten Schulhaus von ~1600 wieder ein Schulzimmer eingerichtet. Das Problem war gelöst, als 1904 die Eichendorffschule eröffnet wurde. Das allererste Schulhaus stand ebenfalls in der Schulstraße, (Dudenstraße 2), jedoch auf der Südseite der Straße.

Ebenfalls vor 130 Jahren, am 13. November 1887, wurde dem Pfarrer von St. Georg, Eberhard Spickermann, für seine hervorragenden Leistungen bei der Renovierung der Pfarrkirche die Ehrenbürgerwürde Haunstettens verliehen.

Ebenfalls vor 130 Jahren, im Dezember 1887 wohnten in Meringerau (Siebenbrunn) 133 Katholiken. Die Werktagsschule in Haunstetten besuchten aus Siebenbrunn 13 katholische Kinder und die Sonntagsschule („Christenlehre“, Religionsunterricht) ein katholisches Kind.

Vor 120 Jahren, 1897, begannen die evangelischen Christen aus Haunstetten und Meringerau (Siebenbrunn) für einen eigenen Gottesdienstraum zu sammeln.

Die evangelische Gemeinde Haunstetten hielt bis zur Einweihung der Christuskirche im Dezember 1909 im Haunstetter Jägerhaus ihre Gottesdienste ab. Der Name wurde vom ehemaligen Jägerhaus, aus dem das Haunstetter Krankenhaus geworden war, übernommen.

Ebenfalls vor 120 Jahren, am 17. Februar 1897 wurde auf dem Gottesacker der Muttergotteskapelle ein junger Mann aus Hiltenfingen, 22 Jahre und neun Monate alt, beerdigt. Er hatte in der Sommerstraße gewohnt. Der Gottesacker der Muttergotteskapelle war ehemals der Fremdenfriedhof von Haunstetten.

Ebenfalls vor 120 Jahren, am 2. März 1897, wurde mit „allerhöchster Konzessionsurkunde“ die Herstellung und der Betrieb einer normalspurigen Lokalbahn von Augsburg nach Haunstetten genehmigt. Ein Beitrag über die Lokalbahn ist in einer vorigen Ausgabe „Aus der Haunstetter Geschichte“ mit den Endjahreszahlen …6 veröffentlicht).

Ebenfalls vor 120 Jahren, am 1. Dezember 1897 ergab eine Viehzählung in Haunstetten: 575 Rinder, 209 Schweine, 589 Schafe, keine Ziegen.

Weil die heutige städtische Bevölkerung keine Kühe mehr zu sehen bekommt, deshalb zur Information hier ein Schulaufsatz des neunjährigen Seppi über die Kuh: „Die Kuh ist ein Haustier. Sie ist überall mit Rindleder überzogen. Hinten hat sie einen Schwanz mit einem Pinsel daran. Damit jagt sie die Fliegen fort, weil sie sonst in die Milch fallen. An jeder Ecke hat sie ein Bein. Vorne ist der Kopf, wo das Horn angewachsen ist und das Maul darauf Platz hat. Die Hörner braucht die Kuh zum Stoßen und das Maul zum Brüllen. Die Kuh hat einen feinen Geruch. Man riecht ihn schon von weitem, denn er macht die Landluft. Die Kuh lebt von Gras und Kartoffeln und Butterblumen. Wenn das Futter gut ist, macht sie gute Milch, und wenn es donnert, wird die Milch sauer. Die Kuh braucht wenig Nahrung. Was sie einmal gefressen hat, das isst sie noch öfter, weil sie alles wiederkaut, bis sie ganz satt ist. Wenn sie einmal runtergekaut hat, dann rülpst sie und hat das Maul wieder voll. Warum das so ist, haben wir noch nicht gehabt.“

(Text & Bild(er): Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)