Start Allgemein Aus der Geschichte Haunstettens – Gasthaus und Saalbau Jägerhaus

Aus der Geschichte Haunstettens – Gasthaus und Saalbau Jägerhaus

Mit dem Bau des großen Festsaales musste auch der Biergarten neu angelegt werden. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Mit dem Bau des großen Festsaales musste auch der Biergarten neu angelegt werden. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Es ist in Haunstetten so gut wie nicht mehr bekannt, welch herausragende gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung das ehemalige Gasthaus Jägerhaus mit Saalbau in der heutigen Bürgermeister-Widmeier-Straße hatte.

Damit dies nicht restlos und endgültig in Vergessenheit gerät, hier dessen Geschichte.

Das ehemalige (alte) Haunstetter Krankenhaus hatte die ursprüngliche Bezeichnung „Bayerhäusl“. Als es etwa um 1605 ein herzoglich-bayerischer (später kurfürstlicher) Jäger als Dienstsitz übernommen und 1616 erweitert hatte, änderte sich die Bezeichnung in „Jägerhäusl“. In späteren Landkarten wurde es auch als „Churbayrisch Jägerhaus“ genannt.

Der Name „Jägerhaus“ wurde, nachdem aus dem damaligen Anwesen das Haun-stetter Krankenhaus geworden war, auf die große Gaststätte „Jägerhaus“ in der heutigen Bürgermeister-Widmeier-Straße übernommen.

Dieses Gasthaus wurde 1898/1899 erbaut, jedoch noch ohne den Saal. Es wurde im 2. Weltkrieg zerbombt. Das ist heute der freie Platz vor dem ehemaligen Kino „Atrium“. Der Saal blieb fast unbeschädigt stehen. Die heutige Gaststätte „Jägerhaus“ war ehemals die Schänke für den Biergarten, also die Gartenschänke des Gasthauses.

Im November 1899 war das Gasthaus bereits in Betrieb, denn am 12. November 1899 gründeten im Jägerhaus 12 Männer den Schachklub Haunstetten. Nach der mündlichen Überlieferung waren die mehreren davon in der Spinnerei und Weberei Haunstetten beschäftigt.

Bis zum 3. August 1900 war an das Jägerhaus ein Saal angebaut worden. Der wurde auch als Konzertsaal genutzt.

Die ehemalige Gaststätte Jägerhaus an der heutigen Bürgermeister-Widmeier-Straße. Sie wurde im 2. Weltkrieg zerbombt. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Die ehemalige Gaststätte Jägerhaus an der heutigen Bürgermeister-Widmeier-Straße. Sie wurde im 2. Weltkrieg zerbombt. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Bis zum 3. August 1900 war ein Konzertsaal an das Jägerhaus angebaut worden (er wurde 1926 abgebrochen und stattdessen bis 1927 der große Festsaal erbaut, aus dem später das Kino „Atrium“ wurde). Das Bild könnte bei der Eröffnung des Konzertsaales aufgenommen worden sein. Am Gasthaus wehte eine große Fahne. Es war damals noch kein Auto zu sehen. Man war noch mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Die Straßenbahnlinie zum Georg-Käß-Platz bestand auch noch nicht. Im Bild recht sind im Hintergrund das Hotel und die Gaststätte Prinz Leopold zu sehen. Derzeit ist dies das „ART HOTEL ANA STYLE“. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Bis zum 3. August 1900 war ein Konzertsaal an das Jägerhaus angebaut worden (er wurde 1926 abgebrochen und stattdessen bis 1927 der große Festsaal erbaut, aus dem später das Kino „Atrium“ wurde). Das Bild könnte bei der Eröffnung des Konzertsaales aufgenommen worden sein. Am Gasthaus wehte eine große Fahne. Es war damals noch kein Auto zu sehen. Man war noch mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Die Straßenbahnlinie zum Georg-Käß-Platz bestand auch noch nicht. Im Bild recht sind im Hintergrund das Hotel und die Gaststätte Prinz Leopold zu sehen. Derzeit ist dies das „ART HOTEL ANA STYLE“. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Am 18. Oktober 1901 hatte Josef Federle die Gastwirtschaft zum Jägerhaus pachtweise übernommen. Am 17. November 1901 feierte er die offizielle Geschäftseröffnung mit einer Gansviertelpartie mit Konzert.

Am 15. März 1903 verlegte die evangelische Gemeinde Haunstetten-Siebenbrunn ihre Gottesdienste vom Siebenbrunner Schulhaus in das Haunstetter Jägerhaus „in den hohen Saal“, also im Obergeschoß der Gastwirtschaft. Die Gottesdienste wurden dort bis zur Fertigstellung der Christuskirche gefeiert. Sie war am 12. Dezember 1912, am dritten Adventssonntag 1912, geweiht worden.

Der Turnverein Haunstetten (damals noch nicht TSV !) veranstaltete am Sonntag, 12. April 1903 im Saal zum Jägerhaus eine Varietè-Vorstellung zum Besten der Anschaffung neuer Turngeräte. Eintritt: 1. Platz 1 Mark, 2. Platz 50 Pfennige.

Die Sängerrriege des Turnvereins Haunstetten veranstaltete am Sonntag, 26. Juni 1904, nachmittags um 4 Uhr eine Familienunterhaltung in der Gastwirtschaft „zum Jägerhaus“.

Am 4. Juni 1905 feierte der „Radfahrer-Klub Haunstetten“ das „6. Stiftungs-Fest mit Standarten-Weihe“.
Der Club richtete dazu an die Gemeindeverwaltung von Haunstetten folgende Bitte: „Der hiesige Radfahrer Club erlaubt sich hiermit einer Löblichen Gemeinde-Verwaltung von Haunstetten, die ganz ergebenste Bitte zu stellen, ihm zur Abhaltung seiner Standartenweihe am 4. Juni des Jahres anberaumten, mit Gartenkonzert, Preiskorso, Festconzert und Tanzunterhaltung, bei einem Eintritt von 1 Mark für Radler und für Nichtradler 20 Pfennige mit Festprogramm inclusiv Festzeichen […]. Für die sich am Feste beteiligenden Radfahrervereine sind drei Preise ausgesetzt, im Gesamtwerte von 100 Mark und verteilen sich dieselben wie folgt: 1 Patenpreis, 1 Dekorationspreis, 1 Fahrpreis. Ein jeder Verein erhält auch ein Fahnenband. Um Genehmigung vorstehenden Gesuchs bittet gehorsamst Josef Mezger Vorsteher des Radfahrer-Klubs Haunstetten.“ Um 11 Uhr war die Enthüllung der Standarte. Ab 3 Uhr nachmittags fuhr ein Korso mit Musik durch Haunstetten. Danach fand ein Konzert im Jägerhaus statt. Bei eintretender Dunkelheit wurde eine Italienische Nacht veranstaltet. Der Ruf der Radfahrer war: „All Heil“.

Der sehr unterschiedliche Eintrittspreis rührte wahrscheinlich daher, weil man mit dem minimalen Eintrittspreis weitere „Nichtradler“ als zukünftige Mitglieder gewinnen wollte.

Der Radfahrer-Club Haunstetten richtet an die Gemeinde Haunstetten eine Bitte wegen seiner Standartenweihe im Jahre 1905. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Der Radfahrer-Club Haunstetten richtet an die Gemeinde Haunstetten eine Bitte wegen seiner Standartenweihe im Jahre 1905. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Das Titelblatt der Satzung des Radfahrer-Clubs Haunstetten. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Das Titelblatt der Satzung des Radfahrer-Clubs Haunstetten. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Der Radfahrer-Club Haunstetten. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Der Radfahrer-Club Haunstetten. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Eine Gruppe Radfahrerinnen vor der Gastwirtschaft „Zum dürren Ast“. Diese Wirtschaft besteht nicht mehr. Die Haltestelle der Straßenbahnlinie 2 „Beim dürren Ast“ erinnert daran. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Eine Gruppe Radfahrerinnen vor der Gastwirtschaft „Zum dürren Ast“. Diese Wirtschaft besteht nicht mehr. Die Haltestelle der Straßenbahnlinie 2 „Beim dürren Ast“ erinnert daran. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Radler-Bierabend im Jägerhaus. Georg Merk hatte als neuer Wirt am 4. Oktober 1910 das Jägerhaus eröffnet. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Radler-Bierabend im Jägerhaus. Georg Merk hatte als neuer Wirt am 4. Oktober 1910 das Jägerhaus eröffnet. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Am 25. Oktober 1905 verlegte der ehemalige Männergesangverein „Einigkeit“ sein Vereinslokal in das Jägerhaus. Von 73 bei der Versammlung anwesenden Mitgliedern stimmten 63 dafür.

Die Haunstetter Bauern erhöhten 1906 den Milchpreis um einen Pfennig von 13 auf 14 Pfennig pro Liter. Die Fabrikarbeiter wehrten sich dagegen. Die Bauern blieben Sieger. In der Gastwirtschaft Jägerhaus wurde eine Versammlung des Konsumvereins abgehalten, bei der 130 Mitglieder teilnahmen und dies als Beweis gewertet wurde, „daß die Arbeiter sich nicht ohne weiteres den Ökonomen fügen wollen.“

Der bayerische „Architekten- und Ingenieurs-Verein“ hatte die Erlangung eines Entwurfs für die Protestantische Kirche in Haunstetten (Christuskirche) ausgeschrieben. Es waren 11 Projekte eingereicht und vom 6. bis zum 13. Juni 1906 im Nebensaal des Jägerhauses ausgestellt worden. Das Preisgericht hatte das Projekt von Bauamtmann Schildhauer aus Kempten zur Ausführung empfohlen.

Der Turnverein Haunstetten feierte am Sonntag, 1. September 1907, nachmittags um 4 Uhr im Gasthaus zum „Jägerhaus“ sein 15jähriges Stiftungsfest mit Ehrungen, Familienunterhaltung, turnerischen, theatralischen und humoristischen Aufführungen sowie Lichtbildern.

Die „Einigkeit“ veranstaltete am Samstag, 25. Dezember 1909, abends um 6 Uhr im Gasthaus „Jägerhaus“ ein Weihnachtskonzert mit theatralischen Aufführungen und Solovorträgen. Der Eintritt war für Mitglieder frei. Der Dirigent der Einigkeit war A. Greß. Den musikalischen Teil hatte die Turner-Hauskapelle übernommen.

Der Turnverein Haunstetten führte am 1. Januar 1910, abends um 8 Uhr im Vereinslokal „Jägerhaus“ eine Zöglingsbescherung mit turnerischen Aufführungen durch. Danach fand eine Sylvester- und Siegesfeier, verbunden mit einer Zylinder- und Koks-Kneipe, statt.
Der Zylinderhut ist ein hoher, meist schwarzer Herrenhut mit zylindrischem Kopf und mit steifer Krempe. Er wurde früher zu festlichen Anlässen wie auch zu Beerdigungen getragen. Er war sogar Teil der Berufskleidung von Kutschern und von Kaminfegern geworden. Auch wenn Frauen elegant ausritten, trugen sie einen Zylinderhut.
Der Koks, auch Melone, ist ein abgerundeter Hut mit rundum einer schmalen, steifen Krempe.

Die Einigkeit veranstaltete an Fronleichnam 1910 (25. Mai) nach der Fronleichnams­prozession zusammen mit dem Turnverein einen Frühschoppen mit Konzert und Gesangsvorträgen im Vereinslokal „Jägerhaus“.

Gastwirt Josef Federle veranstaltete am Samstag, 27. August 1910 im Gasthaus „Jägerhaus“ eine Abschiedsfeier. (Ein anderer Wirt übernahm das Gasthaus, siehe unter dem 4. Oktober 1910).

Am Dienstag, 4. Oktober 1910 war die Geschäftseröffnung im Gasthaus „Jägerhaus“ mit dem neuen Wirtsehepaar Josef Merk mit Frau.

Die Einigkeit veranstaltete am Sonntag, 25. Dezember 1910 „(Heiliger Christtag)“, abends um 6 Uhr im „Jägerhaus“ ein „Weihnachtskonzert mit Gesang und Theateraufführungen“. „Eintritt für Nicht­mitglieder incl. Programm 50 Pfg. Für Mitglieder mit einer Dame frei.“

Eine Theatergesellschaft, das „Süddeutsche Schauspiel-Ensemble“, unter Direktor E. Baumann begann am 27. Juli 1911 im „Jägerhaus“ einen Zyklus von Vorstellungen als „Sommer-Theater Haunstetten.“

Eine „Große öffentliche Volksversammlung“ der SPD fand am Sonntag, 22. Oktober 1911, nachmittags um drei Uhr im „Jägerhaus“ statt.

Am Abend vor der feierlichen Grundsteinlegung für die TSV-Turnhalle mit Vereinshaus am 13. April 1914 (Ostermontag) fand eine „Vorfeier“ im Garten des „Jägerhauses“ mit tur­nerischen Aufführungen statt.

Der Radfahrer-Club Haunstetten feierte am 7. Juni 1914 sein 15jäh­riges Stiftungsfest. Um 7.30 Uhr war Start zu einem 50-km-Mannschafts­fah­ren. Ab 10 Uhr, nach dem vormittäglichen Hauptgottesdienst, fand ein Hindernisfahren im Dorf statt. Um 2 Uhr nachmittags wurde ein Corso mit Musik durch das Dorf gefahren. Ab 4 Uhr nachmittags gab es ein Gartenfest im „Jägerhaus“.

Im „Jägerhaus“ wurde am Fronleichnamstag 1914 (10.Juni) ein Frühschoppen mit Konzert veranstaltet.
Nebenbei ist noch Folgendes interessant: „Die Gemeindebehörde bittet wegen der schwierigen Reinigung darum, daß bei der Fronleichnamsprozession die Wege nicht mehr als in einer Breite von maximal zwei bis zweieinhalb Metern Breite mit „Gräsereien“ bestreut werden“.

An die Haunstetter Zeitung wurde, ebenfalls von der Gemeindebehörde, ein Brief geschrieben, daß die Kanone (Salutkanone) nicht mehr in unmittelbarer Nähe der Prozessionteilnehmer beim Segen abgeschossen werden solle wegen des Erschreckens und wegen einer möglicherweise Schädigung des Gehörs. Man könne ja die Kanone irgendwo etwas abseits aufstellen und auf ein Zeichen vom Kirchturm herunter abschießen, wie es auch anderswo üblich ist. Außerdem bräuchte man die Kanone nicht den ganzen Weg mitschleppen.

Veröffentlichung im Oktober 1914: „Es geht an die noch in der Heimat anwesenden Sangesbrüder der Sängergesellschaft „Einigkeit“, der Sängerriege des Turnvereins, des Sängerbundes der freiwilligen Feuerwehr (Haunstetten-Ort), sowie an sonstige sangeskundige Herrn die herzlichste Bitte, sich am näch­sten Donnerstag, den 8. Oktober, abends ½ 8 Uhr im Nebenzimmer des Herrn Merk (Jägerhaus) einzufinden, zwecks wichtiger Besprechung, eventl. Probe. Die Sängervorstände bezw. Stellvertreter obiger Gesangskorporationen.“ (Es war bereits der 1. Weltkrieg und viele Männer waren zum Militär eingezogen worden).

(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Der Zweigverein Haunstetten des Bayerischen Frauenvereins vom Roten Kreuz veranstaltete am Sonntag, 22. November 1914, im „Jägerhaus“ eine patriotische Wohltätigkeitsfeier. Der Reingewinn wurde der Kriegsfürsorge und dem Roten Kreuz zugewendet.

Aus einer Zeitungsanzeige vom 7. Dezember 1918: „Gebe […] bekannt, dass ich eine best eingerichtete Holzdrechslerei errichte habe […] Josef Merk, Jägerhaus.“

Aus der Haunstetter Zeitung vom 21. Dezember 1918: „Am vergangenen Samstag [14.12.1918] wurde die 8. Batterie des vom Felde zurückgekehrten 4. Feldartillerie-Regiments dahier ein­quartiert, um sich zum feierlichen Einzug des Regiments in seiner Garnison [Augsburg] vorzubereiten. […] Das gegen Mittag zusammengestellte Regiment zog sich von der hiesigen Turnhalle bis zum Zollhaus an der Haunstetter Straße [etwa „Beim dürren Ast“] hin. Nach dem feierlichen Einzug in Augsburg kehrte die 8. Batterie nach Haunstetten zurück, von wo aus die Mannschaften entlassen werden bezw. entlassen wurden.“ Am Mittwoch zuvor fand im Jägerhaus eine Abschiedsfeier statt, wozu ein Offizier 150 Mark für Freibier und die Gräfin von Tattenbach 200 Zigarren und 500 Zigaretten gespendet hatte.

Am Sonntag, 5. Januar 1919, trafen sich die Sänger der Einigkeit zum ersten Mal nach dem 1. Weltkrieg im „Jägerhaus“. Der ehemalige Männergesangverein veranstaltete nachmittags um 4 Uhr im Jägerhaus eine Begrüßungsfeier für die aus dem Feld heimgekehrten Mitglieder.

Zeitungsnotiz vom 10.Januar 1920: „Der Brauereibesitzer Anton Rembold von Augsburg hat die Restauration zum Jägerhaus (Pächter Herr Josef Merk), dahier an Herrn Anton Holl, Metzgermeister, käuflich abgetreten.“
Anton Holl kam 1904 nach Haunstetten, wo sein Vater die damalige Wirtschaft „zum Hofgarten“ erworben hatte. Sie befand sich in dem Gebäude am Ende der heutigen Dudenstraße. Als Dreißigjähriger machte Anton Holl sich selbständig, indem er nach dem Ableben des Metz­germeisters Lang dessen Geschäft pachtweise übernahm. Auf Grund seines zunehmenden Leidens musste er das Jägerhaus später wieder verkaufen. Siehe unter dem 23. Mai 1926.

Metzgermeister und Gastwirt Anton Holl, eröffnete am Freitag, 12. Mai 1921, auf seinem Anwesen, Gasthaus „Jägerhaus“, ein Metzgerei- und Charkutiergeschäft (Schweineschlächterei).

Am „Samstag, 11. Juni 1921, wurden abends um 8 Uhr im Saale des Jägerhauses „Kulturfilm-Lichtspiele“ gezeigt. Der Eintritt kostete einschließlich der Lustbarkeitssteuer 2,50 Mark.

Zeitungsnotiz vom 19. November 1921 „Anmeldungen zum Frauenchor werden noch im Jägerhaus entgegengenommen. Frau Hauptlehrer Miller.“ Die erste Zusammenkunft war am Sonntag, 11. Dezember von ½11 Uhr bis 12 Uhr im Jägerhaus.

Die Einigkeit veranstaltete am 25. Dezember 1921 im Jägerhaus ein Weihnachtskonzert mit Musik, Gesang und Theater.

„Im Frühjahr 1922 brachte die Sänger-Gesellschaft „Einigkeit“ die Operette „Die Winzerliesel“ mit großem Erfolg zur Aufführung“.

„Nach längerer Pause tritt wieder die Sängergesellschaft „Einigkeit“ an die Öffentlichkeit. Seit 60 Jahren hat sie sich bemüht, am hl. Weihnachtsabend ihre Mitglieder und Freunde zu sammeln und dieses Fest in würdiger Weise zu feiern. […]. Auch die Kapelle Krafka wird ihr Bestes dazu geben.“
Es war ein „Weihnachts-Konzert“ mit Musik, Gesang und Theater am Dienstag 25. Dezember 1923 nachmittags um vier Uhr im „Jägerhaus“.

Die Einigkeit wiederholte ihr Weihnachtskonzert vom 25. Dezember 1923 am Dienstag, 1. Januar 1924, nachmittags um 4 Uhr im Jägerhaus „zu Gunsten der Arbeitslosen, Kranken und Invaliden des Vereins“. Die Kapelle Krafka wirkte auch wieder mit. Der Eintritt kostete 75 Pfennige. „Sänger und Sängerinnen sowie Theaterspieler haben freien Eintritt, müssen jedoch die letzten Plätze einnehmen.“

Das Vereinslokal des Schachklubs Haunstetten war seit 1926 wieder das Gasthaus „Zum Jägerhaus“. Es war ursprünglich auch das Gründungslokal des Vereins.

23. Mai 1926: „Das Gasthaus zum „Jägerhaus“ ging durch Kauf aus dem Besitz des Herrn Anton Holl auf Herrn Kaspar Settele, bisher Gasthaus zur „Sonne“ über. Als Kaufpreis wurden 33.000.- Mk. genannt. Am vergangenen Donnerstag versteigerte Herr Settele sein lebendes und totes Inventar. Es kamen unter anderem sehr wertvolle Tiere und gute Maschinen zu äußerst günstigen Preisen zum Verkauf.“

Feuerwehr Haunstetten vom 26. Mai 1926: „Herr Vorstand […] und begründete, daß durch den Kauf des Gasthauses zum Jägerhaus durch unseren Herbergsvater Herrn Kaspar Settele, ein Wirtschaftswechsel in unserem Lokal sich vollzieht.“ Von 110 anwesenden Mitgliedern stimmten in einer geheimen Wahl 101 für den Wechsel ins Jägerhaus.

Kaspar Settele hatte mit dem 1. Juli 1926 die von ihm erworbene Gastwirtschaft zum „Jägerhaus“ übernommen.

Die erste Vereinsversammlung der Feuerwehr Haunstetten im Gasthaus zum Jägerhaus fand am 26. September 1926 statt.

30. Oktober 1926: „Der nunmehrige Besitzer des Gasthauses zum Jägerhaus, Kaspar Settele, hatte den hinteren Saal abbrechen lassen. Er ließ an dessen Stelle
einen großen modernen Saalbau errichten. Mit den Arbeiten wurde bereits begonnen“.
Das wurde der Festsaal, den einige alte Haunstetter noch kannten und in dem nach dem 2. Weltkrieg das Kino Atrium eingerichtet war.

Am Samstag, 20. November 1926, fand die Hebauffeier für den neuen Saalbau des Gasthauses „Jägerhaus“ statt.

11. November 1926: „Schon seit 22 Jahren hielt die Sängergesellschaft Einigkeit am heiligen Weih­nachtstage in den Räumlichkeiten des Herbergslokals [Gasthaus zum „Jägerhaus], Besitzer Herr Kaspar Settele, seine Weihnachtsfeiern mit Konzert, Gesang, Theater und Verlosung ab.“

Der neue, große Festsaal des Jägerhauses wurde bis 1927 erbaut.

Am Samstag 22. Januar 1927, fand im neuerbauten Saal des „Jägerhauses“ die erste Veranstaltung statt, und zwar abends um 8 Uhr ein großer Maskenball des Arbeiter-Radfahrer-Bundes „Solidarität“, Ortsgruppe Haunstetten, mit Einlagen und Maskenprämierung. Gastwirt war Kaspar Settele.
Vermutlich war inzwischen aus dem „Radfahrer-Club Haunstetten“ der „Arbeiter- Radfahrer-Bund Solidarität“, Ortsgruppe Haunstetten, geworden.

Der Stempel des „Arbeiter-Radfahrer-Bund Solidarität“, Ortsgruppe Haunstetten. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Der Stempel des „Arbeiter-Radfahrer-Bund Solidarität“, Ortsgruppe Haunstetten. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Die Standarte der „Soli“. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Die Standarte der „Soli“. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Die Standarte der „Soli“. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Die Standarte der „Soli“. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Von 1927 bis 1939 (Beginn 2. Weltkrieg) waren die elektrische Beleuchtung und die Balldekorationen des Jägerhauses in höchstem Maße künstlerisch und weit und breit einmalig. Gestaltet waren sie jeweils nach einem Mot­to, und zwar nach bekannten Operetten. Dekoriert hatte immer der vom 1. Weltkrieg her Schwerkriegsbeschädigte Andreas Kaiser mit seinen Helfern Gottlieb Gminder, Jakob Rupp, Ludwig Löcherer, Willi Stiebert und Andere. Sie hatten alljährlich bis zu acht Wochen an der elektrischen Beleuchtung und an der Dekorationen gearbeitet.

Der Festsaal des Jägerhauses in einer Balldekoration. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Der Festsaal des Jägerhauses in einer Balldekoration. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Der Festsaal des Jägerhauses in einer Balldekoration. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Der Festsaal des Jägerhauses in einer Balldekoration. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Der Höhepunkt eines jeden Balls war immer der Mondscheinwalzer. Im Saal wurden dazu alle Lichter gelöscht. Dann wanderte ein von innen beleuchteter Lampion als Vollmond am Übergang von den Wänden zur Decke langsam um den ganzen Saal herum. Die Musikkapelle spielte dazu ununterbrochen Walzer, was rund zwanzig Minuten lang dauerte.

Ein heisser Geheimtip war für die Buben aus der Umgebung immer der Abbau der Dekoration. Da waren sie dann pünktlich da wie die Uhrzeiger, weil sie regelmäßig ein kleines Stückchen des Dekorationsmaterials geschenkt bekamen.

Der Festsaal des Jägerhauses. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Der Festsaal des Jägerhauses. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Am Samstag, 26. März1927 fand im Saalbau „Jägerhaus“ ein „Großer Theater-Abend“ zugunsten der Uniformierung der Freiwilligen Feuerwehr Haunstetten statt.

Nachdem die Einigkeit 1922 mit der Operette „Die Winzerliesel“ einen großen Erfolg gehabt hatte, entschloss sie sich 1927, wiederum eine Operette aufzuführen, und zwar „Das Mädel am Neckarstrand“. Es wirkte dabei das verstärkte Salonorchester Kreil mit. Die Spielleitung hatte Andreas Kaiser und die musikalische Leitung der Lehrer Schwenkreis übernommen. Die Operette wurde am Ostersonntag und Ostermontag 1927 im großen Saal des Jägerhauses aufgeführt.

in Notenblatt des Salonorchesters Kreil.(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
in Notenblatt des Salonorchesters Kreil.(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Jägerhaus-Wirt Kaspar Settele lud für Sonntag, 31. Juli 1927, zur offiziellen Geschäfts- und Saaleröffnung ins „Jägerhaus“ ein. Allerdings gab es schon seit Januar 1927 im neuen Saal Veranstaltungen.

Mit dem Bau des großen Festsaales musste auch der Biergarten neu angelegt werden. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Mit dem Bau des großen Festsaales musste auch der Biergarten neu angelegt werden. (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Am Sonntag 9. Oktober 1927 veranstaltete die Partei „Reichsbanner Schwarz, Rot, Gold“, nachmittags um 4 Uhr ein Gründungs-Konzert im Saal des Jägerhauses. Hierzu erging an alle Republikaner sowie an die ganze Einwohnerschaft von Haunstetten eine Einladung.

Die Augsburger Straßenbahnlinie 4 vom „Dürren Ast“ bis zum Georg-Käß-Platz in Haunstetten wurde am Mittwoch, 19. Oktober 1927, in Betrieb genommen. Sie wurde dann am Freitag, 28. Oktober 1927, offiziell und feierlich eröffnet. Die Haltestelle Jägerhaus war direkt vor dem „Jägerhaus“. Heute ist dies die Haltestelle Jägerhaus der Buslinie 24.

Bei einer Versammlung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold am 5. No­vember 1927 im Jägerhaus erklärten sämtliche Anwesende ihren Beitritt.

Die „Einigkeit“ feierte 1927 zum ersten Mal ihre Weihnachtsfeier im Saalbau Jägerhaus.

Das Sänger-Kränzchen der Freiwilligen Feuerwehr Haunstetten feierte sein 25jähriges Jubiläum am Sonntag, 21. April 1929, nachmittags um 4 Uhr mit Konzert, Gesang und theatralischen Aufführungen im „Jägerhaus“.

Die „Schützenabteilung der Partei „Reichsadler Schwarz-Rot-Gold“ veranstaltete am Samstag, 22. Juni 1929, abends um 18 Uhr im Gasthaus zum „Jägerhaus“ ein Gründungsschießen und am Samstag, 13. Juli um 19,30 Uhr, ebenfalls im „Jägerhaus“ einen Schießabend.

Der „Allg. Konsumverein für Haunstetten und Umgebung e.G.m.b.H. in Haunstetten“ feierte am Samstag, 31. August 1929, im „Jägerhaus“ sein 50jähriges Gründungsjubiläum.

Es erging die Einladung zur Gründungs-Versammlung der Kleinsiedler für Sonntag, 25. Oktober 1931, nachmittags 3 Uhr im „Jägerhaus“.

Die NSDAP lud für Freitag, 11. Dezember 1931, 20 Uhr, zu einer Versammlung ins „Jägerhaus“ ein. Es sollte der Parteigenosse und schwäbische Gauleiter Karl Wahl über das Thema: „Mit Hitler in eine bessere Zukunft“ sprechen.

Der Autor dieses Beitrages, Karl Wahl, war mit dem NAZI-Gauleiter Karl Wahl weder verwandt noch verschwägert. Der Vater des Autors war SPD-Mitglied. Eine Woche nach der Kindstaufe des Autors wurde der Vater von einem Parteifreund gefragt, wieso er seinen Buben Karl nennen ließ, wo doch der NAZI-Gauleiter auch so heißt. Dann erst ging es ihm siedendheiss auf.

Die NSDAP teilte mit: „Auf Grund der neuen vierten Notverordnung der Deutschen Reichsregierung, unterzeichnet vom Herrn Reichspräsidenten am 8.12.31, sind wir gezwungen, unsere auf heute Freitag, den 11. Dezember 1931 im Saalbau „Jägerhaus“ anberaumte öffentliche Massenversammlung bis auf weiteres zu verschieben. Der Ortsgruppenführer.“ Wann die Versammlung dann tatsächlich stattgefunden hat, ist nicht mehr zu erforschen.

Die Einigkeit veranstaltete am „Hl. Weihnachtstage“ [25. Dezember 1931] im „Jägerhaus“ ihre Weihnachtsfeier. Dirigent war Lehrer Schwenkreis. Besonders hervorgehoben wurde dabei das Lied »Dein Vaterland«. Der Chor wiederholte den Auftritt am 1. Januar 1932, nachmittags um 2 Uhr im hiesigen Krankenhaus.
„Die Vereinsleitung hatte sich zu diesem edlen Akte entschlossen, um auch den Kranken, denen es nicht möglich war, Weihnachten im Sängerkreise mitzufeiern, ein wenig Frohsinn durch das deutsche Lied zu vermitteln.“

Die NSDAP veranstaltete am 8. Januar 1932 im Saalbau Jägerhaus ihre erste „große öffentliche Massenversammlung“ in Haunstetten.

15. Dezember 1932: „[…] ruft die Sängergesellschaft „Einigkeit“ die ganze Einwohnerschaft von Haunstetten und Siebenbrunn zu ihrer Weihnachtsfeier, die am Sonntag, den 25. Dezember nachmittags 4 Uhr im Saalbau „Jägerhaus“ stattfindet. Daß sie zu einer der schönsten Weihnachtsfeiern gehört, darf man wohl ohne Überhebung sagen. […]. Den konzertlichen Teil hat die von früher her bestbekannte Kapelle Kreil übernommen, die nach langer Pause wieder zum erstenmal vor die Öffentlichkeit tritt. Um allen den Besuch zu ermöglichen, wurde ein ganz niedriger Eintrittspreis […] festgesetzt.“ Die Feier war geplant mit Gesang, Musik und Theater.

Festzug der NSDAP in Haunstetten am 1. Mai 1933: Aufstellung in der Neuen Straße. Marsch durch den Ort. Zugfolge: Trommler, Trach­tenka­pelle, SA, HJ, Wagen des Sanitätsrates v. Hößlin, „in welchem dieser neben dem Führer der hiesigen NSDAP, Herrn 2. Bürger­meister R. Spannagel, Platz genommen hatte“, Gemeinderat, die NSBO der beiden hiesigen Fabrikbetriebe, ein Teil der Teilnehmer in Arbeitskleidung, Siedler, Freiwilliger Arbeitsdienst, eine stattliche Zahl von Vereinen. Leitung des Zuges: hiesiger SA-Führer Max Merk. Danach fand im Saal des Jägerhauses eine Feierstunde statt. Es konzertierte die Trachten­kapelle. Die Einigkeit leitete die Feier ein und sang: „Wo gen Himmel Eichen ragen“.

SA = Die Sturmabteilung war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP.
HJ = Hitlerjugend, sie war die Jugend- und Nachwuchsorganisation der NSDAP.
NSBO = Die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation. Es war eine betriebsbezogene Organisationsform der NSDAP.

Die Fortsetzung der Geschichte des Jägerhauses ab Juni 1933 bis zur Bombardierung 1945 ist in Arbeit und wird nach der Fertigstellung auch veröffentlicht.

(Text & Bild(er): Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)