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Aus der Geschichte Haunstettens

(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Gasthaus und Saalbau Jägerhaus

Es ist in Haunstetten so gut wie nicht mehr bekannt, welch herausragende gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung das ehemalige Gasthaus Jägerhaus mit Saalbau in der heutigen Bürgermeister-Widmeier-Straße hatte.

Damit dies nicht restlos und endgültig in Vergessenheit gerät, hier dessen Geschichte ab Mai 1933. (Die Geschichte des Jägerhauses von 1605 bis 1933 ist bereits veröffentlicht.)

Zeitungsbericht vom 9. Juni 1933, aus der Haunstetter Zeitung: „So hat sich auch hier Ende September des vergangenen Jahres [1932] eine Schar zusammengefunden, die beim Bau der Siedlung [Messerschmittsiedlung] tatkräftig mit Hand anlegte. 37 Wochen sind darüber vergangen und nun muß Schluß gemacht werden. 73 junge Leute im Alter von 16 – 25 Jahren haben teils längere, teils kürzere Zeit dem Freiwilligen Arbeitsdienst Haunstetten angehört und gegen verhältnismäßig bescheidene Entlohnung wertvolle Arbeit geleistet. Der Gemeinderat hat es sich daher auch nicht nehmen lassen, ihnen zum Abschied eine Freude zu bereiten. Die Abschiedsfeier findet am Sams­tag, den 17. Juni 1933, abends 8 Uhr im Saalbau „Jägerhaus“ statt. Bei der­selben wird das 15 Mann starke Haunstetter Orchester unter der Leitung des Herrn Heß zum ersten Male an die Oeffentlichkeit treten.“
Aus der Anzeige: „Abschiedsfeier mit Konzert, Theater und Aufführungen.“

„Verein für Volksgemeinschaft des Freiwilligen Arbeitsdienstes: Anton Mantl, Josef Merk.“

Zeitungsbericht vom 23. Juni 1933, aus der Haunstetter Zeitung:: „Die Gemeinde Haunstetten hat im September vorigen Jahres [1932] mit der Einführung des Freiwilligen Arbeitsdienstes begonnen. Führer desselben war 1. Bürgermeister Widmeier. 76 junge Leute im Alter von 16 bis 25 Jahren haben sich erfreulicher Weise in den Dienst der Sache gestellt. Diese Arbeitsfreiwilligen waren beim Bau von Siedlungen, Errichtung von Mietgärten, Straßenbau und Wasserleitungen beschäftigt. Wöchentlich wurde 40 Stunden gearbeitet. Der Freiwillige Arbeitsdienst in Haunstetten nahm eine Zeit von 38 Wochen in Anspruch. […]. Zum Abschluß des Arbeitsdienstes in Haunstetten wurde nun am letzten Samstag im Saale des „Jägerhauses“ eine würdige Feier veranstaltet.“ Es spielte die „NS-Kapelle“.

Vom 15. bis 21. Oktober 1933 wurde in Haunstetten eine Handwerker-Werbe-woche versanstaltet. Ab Mittwoch, 18. Oktober 1933, war hierzu eine Handwerker-Ausstellung in den Nebenräumen des „Jägerhauses.“ Am Samstag, 21. Oktober 1933 fand ab 16 Uhr ein Umzug des Gesamt-Handwerks in Haunstetten statt. Abends war dann die Schlußfeier der Handwerker-Werbewoche im Jägerhaus.

Weihnachten 1933: Weihnachtsfeier der Sängergesellschaft Einigkeit am 25. Dezember 1933 um 16 Uhr im Saalbau „Jägerhaus“: „Am Hl. Weihnachtstage Weihnachtskonzert mit Theater-Aufführung. Es spielt das NS-Orchester.“

Faschingsball der Einigkeit am Faschingssamstag, 10. Februar 1934, im „Jägerhaus“: Motto: „Es muß ein Stück vom Himmel sein“. Es spielte die verstärkte NS-Kapelle. Der Wirt war damals Kaspar Settele.

Im Februar 1934 bestand die „Kriegsopferversorgung Stützpunkt 9 „Haunstetten-Siebenbrunn“ [1. Weltkrieg].
Deren erster Kameradschaftsabend war am Sonntag, 4. März 1934 im „Jägerhaus“.

Am Sonntag, 24. Juni 1934, fand um 16 Uhr im Nebenzimmer des Jägerhauses eine Pflichtversammlung der NS-Frauenschaft statt. Den Termin hatte die Orts-frauenschaftsleiterin festgelegt.

Das „Jägerhaus“ wurde am 13. Juli 1834 zwangsversteigert. Neuer Eigentümer wurde Kommerzienrat Sebastian Riegele [Brauerei Riegele], um den Preis von 48.504 Reichsmark. Der bisherige Eigentümer, Kas­par Settele, blieb als Pächter auf dem Jägerhaus.

Aus der Haunstetter Zeitung vom 2. November 1934: „Die Straßenbahnhaltestelle »Friedhof« wird demnächst unmittelbar an die neue Umgehungsstraße verlegt.“ Die Straßenbahn hatte also ursprünglich am „Alten Friedhof“ eine Haltestelle. Die neue Umgehungsstraße ist die Landsberger Straße. Die verlegte Haltestelle war zwischen der heutigen Kopernikusstraße und der Jahnstraße.

Nach einer Aussage des Haunstetters A. K., Jahrgang 1931, vom 8. Mai 2006 befand sich zu seiner Jugendzeit eine Straßenbahnhaltestelle in Haunstetten unmittelbar nach dem Abbiegen von der damaligen Adolf Hitler-Straße (Bürgermeister Widmeier-Straße) in die Horst Wessel-Straße (Poststraße). Die Straßenbahn habe oft sogar in der Abbiegekurve gehalten. Die Haltestelle hieß „Horst Wessel-Straße“. Während seiner Lehrzeit (1945 – 1948) waren die Haltestellen „Horst Wessel-Straße“ und „Jägerhaus“ aufgegeben und stattdessen genau beim Bäcker Geßwein ein Haltestelle eingerichtet gewesen.

Seit 1935 wurde der Saal des Jägerhauses wurde regelmäßig als Kinosaal benützt. Die Filme wurden von der Gaufilmstelle gestellt.

Die Ortsgruppe Haunstetten der NSDAP führte am Samstag, 26. Januar 1935, im „Jägerhaus“ den Tonfilm „Stoßtruppe 1917“ vor.

Am Samstag, 11. Mai 1935, fand im „Jägerhaus“ die Gründungsversammlung einer Ortsgruppe Haunstetten des „Reichsbund der Kinderreichen“ (RdK) im „Jägerhaus“ statt. Mitglied konnte jeder Familienvater mit wenigstens vier Kindern und jede Witwe mit mindestens vier Kindern werden. Auch erwachsene und verstorbene Kinder zählten dabei mit. Auch die Siebenbrunner waren dazu eingeladen. Die Versammlung ist sehr schlecht besucht. Trotzdem wurde eine Ortsgruppe gegründet.

Erntedank 1935, am Sonntag, 6. Oktober 1935.
Um 11:30 Uhr war die Aufstellung des Umzuges mit den Festwagen in der Hötzelstraße. Die Zugspitze stand bei der ehemalígen Gastwirtschaft Alpenrose. Um 12 Uhr war der Zusammenschluß mit dem Zug der Bayerischen Flugzeugwerke. Deren Zug war rund eintausend Mann stark und hatte eine eigene Musikkapelle.
Der Marsch ging durch die Augsburger-, Adolf Hitler-, Tattenbach- und Hindenburgstraße zum Turnplatz. Die Augsburger Straße war die heutige Haunstetter Straße, die Adolf-Hitler-Straße war die heutige Bürgermeister-Widmeier-Straße und die Hindenburgstraße war die heutige Landsberger Straße und der Turnplatz war der Sportplatz des TSV Haunstetten an der Jahnstraße.

Hierauf marschierten die Teilnehmer am Umzug in verschiedene Gastlokale, und zwar in das Wirtschaftsgebäude des Turnvereins, in das „Jägerhaus“ und in das Gasthaus „Hirsch“. „Es darf kein Haus geben, das nicht geschmückt ist mit Fahnen und frischem Grün. Es kommt auf Jeden an und es darf Keiner fehlen. Haunstetten muß am Sonntag zeigen, daß das Wort „Volksgemeinschaft“ bei uns tatsächlich Geltung hat.“
Abends war dann Erntetanz bei freiem Eintritt.

Die weltberühmten Don-Kosaken sangen am Montag, 3. Februar1936, im „Jägerhaus“. Das Auftreten war der „NS-G. Kdf“ zu danken.

Die Nationalsozialistische Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ war eine politische Organisation mit der Aufgabe, die Freizeit der deutschen Bevölkerung zu gestalten, zu überwachen und gleichzuschalten.

Die Sängergesellschaft Einigkeit veranstaltete am Faschingssamstag 1936, 22. Februar, im Jägerhaus ihren traditionellen Sängerball. Veranstaltet wurde dabei ein „Großes indisches Mas­ken­treiben“. Die Sänger trugen dazu bei mit „Ins Reich des Indra“. Andreas Kaiser hatte mit seinen Helfern acht Wochen für die Dekoration aufgewendet. Die Haunstetter Zeitung und die Zeitungen der Umgebung schrieben von einer „Feenhaften Deko­ration.“

Eine Werbung im April 1936: „Jeden Freitag von 8 – 11 Uhr frische Seefische in der Haunstetter Verkaufsstelle im Jägerhaus“.

Am Sonntag, 4. Oktober 1936 wurde das Erntedankfest 1936, der Ehrentag des deutschen Bauern gefeiert. Es gab dabei keinen pompösen Umzug mehr. Stattdessen wurde eine Rede des Führers auf dem Turnplatz in der Zeit von zwölf bis halb zwei Uhr angehört. Danach wurden die Augsburger Gäste bei der Protestantischen Kirche (Christuskirche) empfangen. Dann folgte ein Marsch durch die Hauptstraßen des Ortes. (Anm.: Es sollte keinen pompösen Umzug mehr geben, aber es gab doch einen Marsch durch die Hauptstraßen von Haunstetten).
Abends war dann Ernte-Tanz im Jägerhaus, im Hirsch und in der Turnhalle.

Die Einigkeit veranstaltete am Freitag, 25. Dezember 1936, ab 16 Uhr im „Jägerhaus“ (Wirt Kaspar Settele) ein Weihnachtskonzert mit Gesang und Theater.

Die „Veteranen- und Kriegerkameradschaft Haunstetten“ veranstaltete am Sonntag, 10. Januar 1937, im Jägerhaus ihren „Generalappell“ (Jahreshauptversammlung). (Anm.: Die Ausdrucksweise wie z.B. „Generalappell“ wird langsam aber sicher militärischer und „deutscher“.

Die Einigkeit veranstaltet am Freitag, 22. Januar 1937, im Jägerhaus einen Faschingsball unter dem Motto: „Es wird in 100 Jahren wieder so ein Frühling sein“.

Werbung im Januar 1937: „Jeden Freitag vormittag kommen in der Haunstetter Verkaufsstelle („Jägerhaus“) frische Seefische zur Abgabe.

Am Samstag, 1. Mai 1937, war ein nationaler Feiertag des deutschen Volkes. Es war der 5. National-Feier­tag.

„Aus Anlaß des Nationalfeiertages des deutschen Volkes forderte der Reichs­minister für Volksaufklärung und Propaganda die Bevölkerung auf, die Woh­nungen und Häuser mit den Fahnen des Reiches zu beflaggen.“

Morgens um halb sieben Uhr war öffentliches, musikalisches Wecken durch die Betriebskapelle Martini und Cie. Sie marschierte dabei durch die Hauptstraßen und spielte auf ein paar wichtigen Stellen und Plätzen. Mit dabei waren die HJ und der BDM.

Um sieben Uhr wurden Kanonenschüsse abgefeuert und in Haunstetten die Fahnen gehisst.

Um viertel nach acht Uhr war eine Jugendkundgebung. Dazu wurde die Ju-gendkundgebung aus Berlin übertragen.

„Die Kundgebung am Tag der nationalen Arbeit ist das Treuebekenntnis zum Programm der NSDAP, ist das Bekenntnis zur Arbeit im Dienste unserer blutgebundenen Gemeinschaft.“

1. Mai 1937: „Nationaler Feiertag des deutschen Volkes. 5. National-Feier­tag. 6 ½ Uhr: Wecken (Betriebs­ka­pelle Martini & Cie., HJ, BDM; 7 Uhr Kanonenschüsse, die Fahnen im Ort werden gehißt; 8 ¼ Uhr Jugend­kundgebung auf dem Turnplatze, Übertragung aus Berlin; 11 ¼ Uhr Aufstellung in der Tattenbachstraße: Jungvolk, -Mädel, HJ, MdM [BdM?]; Partei sämtliche Gliederungen (soweit nicht in Betrieben); NS-Bauern­schaft; NSKOV; NS-Arbeitsopfer; sämtliche in Handwerk, Handel und Gewerbe Tätigen; 12 Uhr Übertra­gung des Staatsaktes aus dem Lustgarten in Berlin; 16 ½ Uhr Kameradschaftliches Beisammensein im „Jägerhaus“ (Betriebskapelle Martini & Cie.) und bei Wohlgemuth; Abends Tanz (nur im Jägerhaus)“.

„Aus Anlaß des Nationalfeiertages des deutschenVolkes fordert der Reichs­minister für Volksaufklärung und Propaganda die Bevölkerung auf, die Woh­nungen und Häuser mit den Fahnen des Reiches zu beflaggen.“

„Die Kundgebung am Tag der nationalen Arbeit ist das Treuebekenntnis zum Programm der NSDAP, ist das Bekenntnis zur Arbeit im Dienste unserer blutgebundenen Gemeinschaft.“

Anmerkungen zur Hitlerjugend: Die NAZI haben es hervorragend verstanden, die Jugend an sich zu binden und sie von jung auf bzw. von klein auf zu Trägern oder Trägerinnen der NS-Ideologie zu gewinnen.

Die Hitlerjugend war der Nachwuchs der NSDAP und ab 1933 die einzige zugelassene Jugendorganisation in Deutschland.

Der Name „Hitlerjugend“ war eigenartig und fragwürdig, Hierzu ein Gedankenspiel: Man nehme einmal an, es sei auch heutzutage auch nur eine einzige Jugendorganisation in der Bundesrepublik Deutschland zugelassen und sie würde „Merkeljugend“ genannnt ?

Die männliche Jugend wurde allgemein als HJ bezeichnet und die weibliche Jugend war im Bund Deutscher Mädel (BDM) organisiert.

Die männliche HJ war untergliedert in „Das Deutsche Jungvolk“, kurz „Jungvolk“ genannt, für Buben im Alter von 10 bis 14 Jahren, und in die HJ für die Burschen bis 18 Jahre.

Selbstverständlich durfte nicht jeder Bub oder Bursche das anziehen, was er wollte. Dafür gab es bei der HJ schon eine Uniform.

Der Autor weiss von Burschen, die sehnsüchtig darauf gewartet hatten, dass sie endlich vom Alter her aufgenommen würden, aber dann war der Krieg aus und die Hitlerjugend auch Geschichte.

Der BDM war untergliedert in den „Jungmädelbund“ für das Alter von 10 – 13 Jahren und in den „BDM“ für das Alter von 14 bis 17 Jahren. Auch die Mädchen durften sich nicht beliebig kleiden, auch für sie gab es eine Uniform.

Die Zeit beim BDM wurde später von vielen Frauen als die schönster Zeit ihres Lebens bezeichnet, trotz der Erziehung zum Nationalsozialismus.

Die Hitlerjugend als Nachwuchsorganisation der NSDAP betrieb die Einbindung und Erziehung ausserhalb der Schule zum Nationalsozialismus.

Bei die Buben stand das Führerprinzip im Mittelpunkt mit bedingunglosem Gehorsam sowie die Einübung von Befehl und Gehorsam, der Kameradschaft, der Disziplin, der Pflichterfüllung, der Opferbereitschaft, die Abhärtung und die Aufopferung für die Volksgemeinschaft. Mit der Abhärtung wurden die Burschen langfristig auf den Kriegsdienst vorbereitet. Im 2. Weltkrieg waren sie zumeist noch zu jung als Soldaten, aber viele wurden als Flakhelfer eingesetzt.

Die Mädchen wurden dazu erzogen, gläubig und gehorsam die Pflichten in der Volksgemeinschaft kritiklos und freudig zu übernehmen und zu erfüllen.

In beiden Teilen der Hitlerjugend wurden etwa zwei Drittel der Zeit für den Sport verwendet und etwa ein Drittel für die ideologische Schulung und die rassistische Indoktrination.

Am Samstag, 25. Dezember 1937, gab nachmittags um vier Uhr die Sängergesellschaft Einigkeit ein „Großes Weihnachts-Konzert“ mit Theateraufführung im Saal­bau“ Jägerhaus.“

Die Einigkeit veranstaltete am Freitag, 18. Februar 1938, im Jägerhaus ein „Fest der Chrysantheme“, am Samstag, 26. Februar 1938, im Jägerhaus ihren Sängerball unter dem Motto: „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“ und tags darauf, am Sonn­tag 27. Februar 1938, ebenfalls im Jägerhaus, eine „Große öffentliche Redoute“, einen Maskenball.

Am 30. September 1938 feierte die Einigkeit ihr 80jähriges Jubiläum im Jägerhaus. An der Jubiläumsfeier beteiligten sich: Der Patenverein „Concordia Augsburg“, der Liederkranz Königsbrunn, der BFW-Männerchor (Bayerische Flugzeugwerke), Oberlehrer Moser als Sänger-Gauführer des Gaues Schwaben 17a im Deutschen Sängerbund, der Ehrenbund-Chormeister des Schwäbisch-bayerischen Sängerbundes, Prof. i. R. Gößler und die Augsburger Militärkapelle. Die Festansprache hielt Bürgermeister Xaver Widmeier.

Freiwillige Feuerwehr Haunstetten: „Umständehalber findet unser General-Appel am kommenden Sonntag, den 22. Januar 1939, abends 7 Uhr im „Jägerhaus“ statt. Daran haben alle Aktiven und die Mitglieder der Alters-Abteilung teilzuneh-men. Passive Mitglieder sind ebenfalls eingeladen. Anzug: Zivil. Der Führer der Wehr, Widmeier, Hauptbrandmeister.“

Am Samstag, 18.02.1939, wurde im Jägerhaus das Faschingsprinzenpaar 1939 inthronisiert. Seine Hoheit, Prinz Albert der 1. war Albert Lehnert, ihre Hoheit, die Prinzessin, war Erika Kühn. Sie stammte aus der ehemaligen Kunstmühle Kühn. Der Hofmarschall war Eugen Wunderle und die Elfer waren Andreas Kaiser, Alois Grob, Philipp Kuhn, Fritz Abele, Eugen Pirz, A. Sauerwein, Josef Full, Ernst Full, Xaver Vogelgsang, Hans Gansbühler und Karl Port.

Daran anschließend gab es einen großen Hofball. Dabei gab es eine „Schlacht“ mit rund 1.000 Krapfen aus prima „Mühlbachianer“ Weizenmehl.

Die Kunstmühle Kühn lag am Mühlbach, der damals noch nicht Lochbach hieß. Der Faschingsverein waren die „Mühlbachianer“ und deren Schlachtruf war „Lach am Mühlbach“. Die „Stammburg“ war ab sofort das Jägerhaus.

Am Samstag, 29. Februar 1939 war im Jägerhaus „Großer Walzer-Abend“.

Am Faschingsdienstag 1939, 21. Februar, fand nachmittags um drei Uhr ein „Großes Kinderfest“ statt und abends ab acht Uhr der Kehraus mit „Origninalbegräbnis“ des Prinzen Karneval.

Der „Jägerhaussaal“ wird 1939 von der NSDAP regelmäßig zum Vorführen von Filmen, die der Partei entsprechen, von der Gaufilmstelle als Filmsaal benutzt.

Mittwoch, 19. April 1939, Vorabend zu „Führers“ 50. Geburtstag am 20. April.

„Am Abend des 19. April ist das ganze deutsche Volk in Gedanken bei seinem Führer, der an diesem Tag einen Abschnitt seines Lebens vollendet. In Riesenkundgebungen der Städte und in innigen Feiern im kleinsten Dorf bringt es seinen Dank zum Ausdruck. Er hat das für alle Zeiten geeinte Großdeutschland geschaffen, wofür die Generationen vor uns in vielen Jahrhunderten gerungen haben. Und jeder Volksgenosse durfte an sich die Hebung seines Lebensgefühls und seiner Lebensgrundlage erfahren. Das steht außer Zweifel. Unser Dank ist zu gering, wir können uns dem Führer in dieser Feierstunde nur wieder in Treue verschreiben.“

Veranstaltung am Vorabend zum 50. Geburtstag des „Führers“ in Haunstetten:

„18 Uhr im Jägerhaus-Saal: Feierliche Aufnahme der Pimpfe des neuen Jahrganges in das Jungvolk. Kein Vater und keine Mutter soll fehlen, wenn ihr Kind den ersten Schritt in die Gemeinschaft des Führers tut. Die Parteigenossen werden aufgefordert, ihre Verbundenheit mit der Jugend zu zeigen.

19.30 Uhr: Aufmarsch sämtlicher Formationen und Gliederungen mit Fahnen auf dem Georg-Käß-Platz. Bei schlechtem Wetter im „Jägerhaus“. Um 19.30 Uhr muß der Aufmarsch beendet sein. Vor der Uebertragung der Rede des Reichsministers Dr. Goebbels spricht der Ortsgruppenleiter.

20 Uhr: Beginn der Illumination der Häuser – nach der Uebertragung Fackelzug durch sämtliche Straßen der Gemeinde. Abschließend im „Jägerhaus“ Kameradschaftsabend mit Musik und Vorführungen.

Es darf am 20. April kein Haus und kein Fenster geben, welches nicht geschmückt und beflaggt ist.

Der Ortsgruppenleiter, I.A. Roll.“

Die Pimpfe waren die 10 bis 14jährigen Buben des „Jungvolks“.

20. Mai 1939: „Die auf Samstag, den 13. d. M. anberaumte 39. ordentl. General-versammlung im Gasthaus „Jägerhaus“ wird infolge parteiamtlicher Anordnung auf Samstag, den 20. Mai verschoben. […] Spar- und Darlehenskassenverein Haun-stetten, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Der Vorstand: Ulrich Morasch, Josef Gregor“.

Aus dieser Sparkasse entstand die Raiffeisenkasse.

Freitag, 4. August 1939: „Ehrentag der kinderreichen Mütter“.

Sonntag, 6. August 1939: „Am Sonntag, den 6. August, nachmittags 2½ Uhr, werden an die kinderreichen Mütter über 60 Jahre im „Jägerhaus“-Saal die Ehrenkreu-ze verteilt. 101 Mütter sind es in unserem Ort, die durch vorbildliche Erfüllung der Mutterpflichten entscheidenden Beitrag zum Fortbestand unseres Volkes geleistet haben. Sie sind der höchsten Ehren würdig. Von den 101 Müttern erhalten 45 das goldene, 29 das silberne, und 27 das bronzene Ehrenkreuz. Ab 2 Uhr werden die zu ehrenden Mütter von Politischen Leitern mit Personenkraftwagen von zu Hause abgeholt. Die Feierstunde ist schlicht aber würdig ausgestaltet. Sie ist umrahmt von Vorträgen der Jugend, SA, Frauenschaft und einer größeren Musikkapelle. Der zweite Teil des Nachmittags bringt ein fröhliches Beisammensein mit Bewirtung.“

Das Ehrenkreuz war im Volksmund das „Mutterkreuz“.

17. November 1939: „Am Sonntag nachmittag, 2 Uhr werden an weitere 69 kinderreiche Mütter unseres Ortes die vom Führer gestifteten Ehrenkreuze (im Volksmund Mutterkreuz) durch den Hoheitsträger überreicht. In würdigem Rahmen und in einer mit Sorgfalt und Liebe vorbereiteten Feierstunde im „Jägerhaus“ soll ein kleiner Teil des nie einzulösenden Dankes den Müttern, die selbstlos den Fortbestand unserer Nation sichern helfen, abgestattet werden. Unsere Jugend, die SA, die Frauenschaft und eine größere Musikkapelle [Dilger] werden wetteifern, diese sinnige Stunde schön zu gestalten.“

Kulturamtsleiter Pg. Heckner. Frauenschaftsleiterin Pgn. Pfänder. Ortsgruppenleiter Pg Röll überreicht 16 goldene, 17 silberne und 36 bronzene Ehrenkreuze an kinderreiche Mütter. Einladung durch Pg. Widmeier.

Pg = Parteigenosse, Pgn = Parteigenossin.

Die Sängergesellschaft Einigkeit veranstaltete am „Montag, den 25. Dezember 1939, nachmittags um 16 Uhr im Vereinslokal und Nebenzimmer Gasthaus zum Jägerhaus (Herrn Kaspar Settele) Familien-Unterhaltung der Sänger.“

26. August 1940: “Die Gastwirte Haunstettens haben […] beschlossen, den Gastwirtsruhetag auch hier einzuführen. Die Vereinbarung tritt am Montag, 26. August in Kraft. Geschlossen sind jede Woche: am Montag: Alpenrose, Meyr, Grüner Baum, Aßfalg Klemens, Ritter St. Georg, Settele Karl. Am Dienstag: Hirsch, Wohlgemuth, Jägerhaus, Settele Kaspar. Am Mittwoch: Eisenbahn, Ruppert, Sonne, Aßmann. Am Donnerstag: Prinz Leopold, Wüst, Linde, Gregor.“

Montag, 15. Januar 1945: Luftangriff auf Haunstetten von12.10 bis 12.45 Uhr. Das „Jägerhaus“ in Haunstetten wurde durch Fliegerbomben schwer be­schä­digt. Es gab 4 Tote in Haunstetten. 90 Häuser in Haunstetten waren schwer beschädigt. Auch die Firma Martini, Bleicherei und Appreturanstalt in Haunstetten, wurde schwer getroffen. Weil es an einem Werktag tagsüber war konnte die anwesende Belegschaft die brennende Fabrik löschen. Die vorher schon beschädigte TSV-Turn­hal­le brannte durch Brandbomben völlig aus. Der TSV-Sportplatz wurde von Sprengbomben „umgepflügt“. Die Konsumbäckerei (für die Kolonie) wurde durch eine Fliegerbombe zerstört, weshalb sie als Konsumladen in die heutige Bürgermeister-Widmeier-Straße zog (ehemals Benz). Die ehemalige Konsumbäckerei ist derzeit das Restaurant Comouflage in der Marconistraße.

Der Autor wurde schon mehrmals gefragt, weshalb Haunstetten denn Ziel von Luftangriffen war. Haunstetten hatte ehedem drei Messerschmittwerke, das Werk 3 am Ende der heutigen Eichenstraße, das Werk 4a an der Haunstetter Straße gegenüber der Gastwirtschaft „Alpenrose“, jetzt „Herberts“ und das Werk 4b auf gleicher Höhe, aber östlich des Lochbachs).

Die ehemalige Gartenschänke des Jägerhauses wurde 1949 zum heutigen Gasthaus Jägerhaus.

Die Geschäftseröffnung der derzeitigen Gaststätte „Jägerhaus“ war am Samstag und Sonntag, 8. und 9. Oktober 1949 durch die Familie Schreiner.

Die hohe gesellschaftliche Wertschätzung des ehemaligen Jägerhauses wurde auch noch eine gewisse Zeit auf das jetzige Jägerhaus übertragen.

Der Heilpraktiker für Homöopathie und naturgemäße Heilmethoden Georg Joas eröffnete am Montag, 4. Juni 1951, in der Gaststätte Jägerhaus seine Heilpraxis.

Am Samstag, 1. März 1952, wurde im Gasthaus „Jägerhaus“ die Ortsgruppe Haunstetten der Sudetendeutschen Landsmannschaft gegründet.

Am Samstag, 10. Dezember 1955, wurde im Jägerhaus (Wirt: Gerstmeyer) der Haunstetter Sparvereins „Geselligkeit“ gegründet. Jeder Sparer bekam im
„Sparschrank“ ein Nummernfach und konnte dort jederzeit Kleingeld einwerfen, das jährlich vor Weihnachten wieder ausgezahlt wurde.

Diese Sparvereine waren damals weit verbreitet. Im Landkreis Augsburg waren im Februar 1956 bereits 250 sogenannte „Sparschränke“ aufgestellt. Sie standen in Lebensmittelgeschäften, Bäckereien, Milchgeschäften, Friseurgeschäften und Gastwirtschaften. Der Autor weiss beispielsweise von einem Sparschrank im „Thomasbräustüberl“ in der Hofackerstraße.

Der Festsaal des Jägerhauses war bei den Luftangriffen nur wenig beschädigt worden. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde er umgebaut zu einem Kino, das am Dienstag, 25. Dezember 1945, mit dem Film „Die ewige Eva“ (von 1941) eröffnet. wurde. Das war dann das erste von später drei Kinos in Haustetten.

Das Kino wurde 1948 in „Atrium“ umbenannt.

Mit dem langsamen Einsetzen des deutschen Wirtschaftswunders wurde das Kinogehen fast zu einem gesellschaftlichen Ereignis, denn Fernsehen hatte man damals noch nicht.

Im Kino wurden Filme gespielt wie „Die schöne Müllerin“ von 1954 mit Paul Hörbiger, Waltraud Haas und Gerhard Riedmann, „Ich denke oft an Piroschka“ von 1955 mit Liselotte (Lilo) Pulver und Gunnar Möller, „Die Geierwally“ von 1956 mit Barbara Rütting, „Der Bettelstudent“ von 1956 mit Waltraud Haas und Gerhard Riedmann sowie Ellen und Alice Kessler, oder „Am Sonntag wíll mein Süßer mit mir Segeln gehn“ von 1961 mit Adrian Hoven, oder „Ohne Krimi geht die Mimi nie uns Bett“ von 1962 mit Heinz Erhardt und Karin Dor. Einen großen Erfolg hatte auch der Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ von 1968 mit Henry Fonda.

(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Im Atrium gab es damals folgende Platz- und Preiskategorien: 1. bis 3. Platz, Sperrsitz und Balkon. In der dritten und damit in der billigsten Klasse waren die Reihen ganz vorne. Im Volksmund war so ein Platz ein „Rasiersitz“, weil man den Kopf weit in den Nacken legen musste, um zur Leinwand hinaufzusehen. Als es noch keine elektrischen Rasierapparate gab, gingen viele Männer einmal in der Woche zum Friseur und ließen sich dort rasieren. Dazu musste man den Kopf weit nach hinten legen. Dies wurde wegen der Haltung auf die ersten Sitzreihen im Kino übertragen.

Zum Rasieren beim „Haarschneider“ – Friseur – wurde man eingeschäumt und musste dann eine zeitlang warten, damit der Bart vom Rasierschaum weich wurde. Das war dann die beste Nachrichtenbörse für Haunstetten. Man erfuhr alles, was sonst nicht in der Zeitung stand: Wer mit wem, dies und das und so weiter und so fort.

Auf dem „Balkon“ sammelten sich regelmäßig die jungen Kerle, die schon etwas verdienten und sich fürs Kino ausgiebig mit Bierflaschen eingedeckt hatten. Sie blödelten da oben lautstark herum, ließen die Kippverschlüsse der Bierflaschen knallen und rülpsten so lautstark und schauderhaft, dass es auch im ganzen Kinosaal gut zu hören war. Die Getränkeflaschen hatten damals noch keine Kronenkorken oder Schraubverschlüsse. Die jungen Burschen bewegten die Flaschen etwas, damit sich die Kohlensäure löste und Druck aufbaute. Dann konnte man die Kippverschlüsse so richtig laut knallen lassen.

Mit dem Fernsehen kam das Aus für viele Kinos. Die letzte Reklame für das Kino Atrium war am 27. März 1972 in der Haunstetter Zeitung, also vor 45 Jahren. Der Saal wurde dann eine Zeit lang von der Brauerei, die auch das Jägerhaus beliefert, als Lagerhalle genutzt.

(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Aufnahme vom April 2017 (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Aufnahme vom April 2017 (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
(Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Aufnahme vom April 2017 (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Der Zahn der Zeit hat auch an den ehemaligen Ausgangstüren des Kinos genagt. Aufnahme vom April 2017 (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)
Der Zahn der Zeit hat auch an den ehemaligen Ausgangstüren des Kinos genagt. Aufnahme vom April 2017 (Bild: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

(Text & Bild(er): Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)